„Ich dachte, ich werde verrückt.“ Mit diesen Worten beschreibt Ronia Fraser (44) die Zeit, in der sie Opfer von Gaslighting wurde. Die mehrfach ausgezeichnete Trauma-Expertin und Klinische Hypnotherapeutin verlor das Vertrauen in ihre Erinnerungen, ihre Gefühle und schließlich in sich selbst – nicht wegen einer Krankheit, sondern wegen ihres Partners. Erst später begriff sie: Sie war Opfer einer perfiden Form psychischer Gewalt geworden, bei der Täter ihre Opfer systematisch an der eigenen Wahrnehmung zweifeln lassen.
Was ist Gaslighting und wie wirkt es?
Gaslighting ist eine besonders tückische Form der emotionalen Manipulation. Der Begriff stammt aus dem Theaterstück „Gas Light“ (1938) und beschreibt eine Taktik, bei der der Täter dem Opfer einredet, dessen Wahrnehmung der Realität sei falsch. Typische Methoden sind das Leugnen von Aussagen, das Verdrehen von Tatsachen oder das Vorspielen von Vergesslichkeit. Laut einer Studie der University of California aus dem Jahr 2020 haben etwa 30 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer in den USA bereits Gaslighting in einer Beziehung erlebt. In Deutschland gibt es keine repräsentativen Zahlen, doch Psychologen schätzen die Dunkelziffer als hoch ein.
Warum selbst starke Menschen auf Gaslighting hereinfallen
„Gaslighting funktioniert, weil es an den Grundfesten der Identität rüttelt“, erklärt Ronia Fraser. „Selbstbewusste Menschen können betroffen sein, wenn sie ihrem Partner vertrauen und die Beziehung als sicheren Hafen sehen.“ Die Manipulation erfolgt oft schleichend: Zunächst sind es kleine Zweifel, dann werden Erinnerungen umgedeutet, bis das Opfer sich selbst infrage stellt. Fraser vergleicht die Dynamik mit einer Sucht: „Als wäre ich abhängig und er die Droge.“ Diese Abhängigkeit entsteht durch die ständige Verunsicherung und die Hoffnung auf Besserung.
Warnzeichen früh erkennen
Betroffene sollten auf folgende Warnsignale achten: Der Partner stellt ständig die Erinnerungen oder Gefühle des anderen infrage. Er leugnet Dinge, die er gesagt oder getan hat. Er behauptet, das Opfer sei zu empfindlich oder bilde sich etwas ein. „Wenn Sie sich häufiger entschuldigen, ohne genau zu wissen, warum, oder Ihre eigenen Gedanken anzweifeln, ist das ein Alarmzeichen“, so Fraser. Weitere Indikatoren sind das Gefühl, auf Eierschalen zu laufen, und der Verlust des Selbstvertrauens.
Der Weg aus einer toxischen Beziehung
Der Ausstieg aus einer Gaslighting-Beziehung ist oft schwierig, da die Opfer stark verunsichert sind. Fraser empfiehlt, zunächst ein Tagebuch zu führen, um die eigene Wahrnehmung zu dokumentieren. „Schreiben Sie auf, was passiert ist, und vertrauen Sie Ihren Aufzeichnungen mehr als den Worten des Partners.“ Unterstützung durch Freunde, Familie oder professionelle Beratung sei entscheidend. „Gaslighting ist eine Form von Missbrauch. Niemand sollte sich schämen, Hilfe zu suchen.“ Heute hilft Fraser als Therapeutin anderen Betroffenen, sich aus solchen Beziehungen zu befreien und ihr Selbstvertrauen wiederzugewinnen.



