Geburtenkrise: Warum selbst Gutverdiener vor dem Kinderwunsch zurückschrecken
Geburtenkrise: Warum selbst Gutverdiener vor dem Kinderwunsch zurückschrecken

Die Geburtenrate in Deutschland ist auf ein historisches Tief gefallen: 2025 wurden nur noch rund 650.000 Kinder geboren, 20.000 weniger als im Vorjahr. Die Rate sank auf 1,35 Kinder pro Frau. Experten warnen vor den Folgen: Überalterung, Druck auf Renten- und Pflegesysteme sowie Fachkräftemangel. Prognosen zufolge könnte die Bevölkerung bis 2070 auf 68,8 Millionen schrumpfen – 15 Millionen weniger als heute.

Im Zentrum der Debatte steht die Frage: Kann man sich Kinder überhaupt noch leisten? Eine Kolumne von BamS-Autorin Alexandra Würzbach verdeutlicht das Problem am Beispiel eines Paares mit 14.300 Euro brutto Monatseinkommen. Fällt ein Gehalt weg, bleiben 6.500 Euro brutto. Bei einer Miete von 2.000 Euro plus Fixkosten schrumpft der Spielraum drastisch. Eine INSA-Umfrage für BILD zeigt: 55 Prozent der 1.003 Befragten glauben, man könne sich in Deutschland keine Kinder mehr leisten. 81 Prozent nennen hohe Lebenshaltungskosten, 40 Prozent den Verdienstausfall in der Elternzeit.

Die alleinerziehende Theatermacherin Angela Mund (39) aus Magdeburg lebt mit ihrer Tochter Helene (7) und sagt: „Ein zweites Kind? Im Moment wüsste ich nicht, wie ich das bezahlen soll.“ Ihre Miete und Nebenkosten stiegen im vergangenen Jahr um 200 Euro. Auch die Alltagskosten für das Kind steigen: Schulessen von 80 auf 100 Euro, Bücher, Tablet, Lern-Apps, Sicherheitstrainings und Theaterbesuche. Um alles zu stemmen, hat sie einen zweiten Job angenommen. Ihr Tag beginnt um 5.30 Uhr. Babysitter kosten zwölf Euro die Stunde – „Geld, das ich ausgebe, um arbeiten zu können.“

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Stefanie Zöllner (34), Single und Pflegekraft in Erfurt, verdient 2.500 Euro brutto. Nach Abzug von Miete (523 Euro), Lebensmitteln (400 Euro) und Fixkosten bleiben ihr rund 800 Euro. „Eigene Kinder? Niemals! Mir wäre das finanziell gar nicht möglich“, sagt sie. Sie bräuchte eine größere Wohnung, Klamotten, Spielzeug und müsste Schuldefizite durch teure Nachhilfe ausgleichen. Das Kindergeld von 259 Euro gleiche das nicht aus.

Umweltschutzingenieurin Saba W. (32) aus Hamburg ist in der 25. Woche mit dem zweiten Kind schwanger. Sie und ihr Mann haben durchgerechnet und beschlossen, dass es machbar ist. Ein drittes Kind wäre aber zu teuer. Das Elterngeld wurde seit 2007 nicht erhöht, und selbst der Höchstsatz von 1.800 Euro liegt weit unter ihrem Gehalt. Das größte Problem: bezahlbare Wohnungen für Familien. Nur durch einen Umzug im selben Haus konnten sie in Hamburg bleiben.

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