Gewalt gegen Frauen: 95% der Fälle werden nicht angezeigt
Gewalt gegen Frauen: 95% der Fälle nicht angezeigt

Berlin – Vergewaltigt, genötigt, geschlagen, gewürgt, getötet: Alle 68 Sekunden wird ein Mädchen oder eine Frau in Deutschland Opfer von Gewalt. Die Taten geschehen willkürlich, gezielt, zu Hause und in der Öffentlichkeit – und die Tendenz ist steigend. Obwohl sich Deutschland mit der Istanbul-Konvention verpflichtet hat, die Opfer besser zu schützen, zeichnen die aktuellen Zahlen ein düsteres Bild.

Anstieg der häuslichen Gewalt

Im vergangenen Jahr wurden 187.128 Frauen und Mädchen Opfer von häuslicher Gewalt – ein Anstieg um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch viele Betroffene schweigen aus Angst oder Scham. Eine neue „Dunkelfeldstudie zur Gewaltbetroffenheit in Deutschland“ offenbart noch erschreckendere Dimensionen: Mehr als 95 Prozent der Fälle von psychischer und körperlicher Gewalt innerhalb von (Ex-)Partnerschaften werden nicht angezeigt.

Hilfsangebote für Betroffene

Sie müssen Gewalt nicht ertragen. Wenn jemand Sie schlägt, kontrolliert oder bedroht – schweigen Sie nicht. Holen Sie sich Hilfe! Anonym, kostenlos und ohne lange Wartezeit.

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  • Frauenhaus-Suche: Schutz und Informationen unter www.frauenhaus-suche.de
  • Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: Rund um die Uhr erreichbar unter 116 016, Chat täglich von 12 bis 20 Uhr: www.hilfetelefon.de
  • Hilfe bei sexueller Gewalt: 0800 – 22 55 530 beim „Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch“
  • WEISSER RING: Unterstützung täglich von 07:00 bis 22:00 Uhr unter 116 006
  • Frauen gegen Gewalt: Chat unter www.frauen-gegen-gewalt.de – anonym, kostenlos, mehrsprachig
  • Krisenchat: Psychologische Hilfe 24/7, kostenlos und anonym: www.krisenchat.de

23 mutige Frauen brechen ihr Schweigen

Wir dürfen nicht länger wegschauen. Alle 68 Sekunden wird eine Frau oder ein Mädchen in Deutschland Opfer von Gewalt – vergewaltigt, genötigt, geschlagen, gestalkt, getötet. Bei BILD berichten 23 Betroffene über die erlebte Gewalt. Sie haben den Mut, nicht länger zu schweigen.

Aktuelle Fälle von Gewalt gegen Frauen

Mädchen und Frau attackiert – Täter flüchtig: Zwei Angriffe auf einem Feldweg in Nürtingen (Baden-Württemberg) versetzen die Stadt in Unruhe. Ein Unbekannter soll ein 13-jähriges Mädchen attackiert und missbraucht haben. Auch eine 57-Jährige wurde angegriffen. Die Ermittler vermuten einen gemeinsamen Täter. Die Großfahndung läuft.

Junge Mutter erschlagen und im Wald versteckt: Eman E. (35) war sieben Monate verschwunden, bis ihre Leiche im Juni bei Bad Aibling gefunden wurde. Ihr Schädel war mit einem Hammer eingeschlagen, der Körper in eine Leopardenmusterdecke gewickelt. Ihr Ehemann Abdelrehim M. (44) steht nun vor dem Landgericht Traunstein. Er schweigt, hatte aber zuvor geschrieben: „Ich habe Eman geliebt. Mit dem Tod meiner Frau habe ich nichts zu tun.“

Seniorin (77) in Reihenhaus getötet: Sieglinde M. wurde in Ratingen durch massive Gewalteinwirkung getötet. Die Mordkommission geht von einer Tat im familiären Umfeld aus. Ihr Schädel wurde eingeschlagen.

Mädchen mit Geschenken gelockt, dann vergewaltigt: Die Polizei in Nürnberg nahm einen Syrer (22) fest. Er soll ein Mädchen in seiner Wohnung vergewaltigt und ihr ein Schmerzmittel verabreicht haben. Er war der Ermittlungskommission „EKO Kajal“ aufgefallen, die gegen eine perfide Masche am Hauptbahnhof ermittelt.

Frau (22) auf Maibaumfest vergewaltigt: Auf einem Maibaumfest in Bad Klosterlausnitz (Thüringen) soll eine junge Frau von mindestens zwei Männern vergewaltigt worden sein. Einer der Täter ist flüchtig. Die Frau wurde teilweise unbekleidet in einem Hinterhof gefunden.

Frau (38) in Chemnitz ermordet: In einer Plattenbauwohnung wurde die Leiche einer 38-jährigen Afghanin entdeckt. Ihr Ex-Partner soll sie getötet haben. Der Afghane floh nach Tschechien, wurde dort auf der Autobahn verhaftet. Eine weitere Frau wurde schwer verletzt.

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Bei Urteilsverkündung: Angeklagter verletzt Staatsanwältin: Am Landgericht Hanau griff ein Angeklagter nach der Urteilsverkündung eine Staatsanwältin und einen Justizwachtmeister an. Stefan S. (39) war wegen Körperverletzung verurteilt worden. Als die Sicherungsverwahrung angeordnet wurde, sprang er auf den Tisch und schlug mit Handschellen auf die Staatsanwältin ein.