Hamburger CSD: Jetzt erst recht – 250.000 Menschen erwartet
Hamburger CSD: Jetzt erst recht – 250.000 erwartet

Am Samstag um 12 Uhr startet der Hamburger Christopher Street Day (CSD) – genau eine Woche nach dem islamistischen Terroranschlag auf den CSD in Berlin. Der Veranstalter „Pride Week“ hatte bereits im Vorfeld klargestellt, sich von den Ereignissen nicht einschüchtern zu lassen. Das diesjährige Motto lautet: „Jetzt erst recht!“ – ein Aufruf, der unter dem Eindruck des Anschlags eine besondere Bedeutung gewinnt.

Die Polizei Hamburg steht vor einer der größten Bewährungsproben des Jahres. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden als Reaktion auf die Ereignisse in Berlin drastisch erhöht: Doppelt so viele Beamtinnen und Beamte wie im Vorjahr sind auf den Straßen und entlang der Route im Einsatz. Hinzu kommen spezielle Einsatzkräfte sowie Unterstützung durch die Bundespolizei.

Die Stimmung unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist laut Veranstaltern trotz der jüngsten Ereignisse zuversichtlich. Viele sehen den CSD als eine Gelegenheit, Zusammenhalt zu demonstrieren und ein Zeichen gegen Hass und Ausgrenzung zu setzen. Im Vorfeld gab es zahlreiche Solidaritätsbekundungen aus Stadtgesellschaft, Kultur und Wirtschaft.

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250.000 Menschen erwartet

Veranstalter und Behörden rechnen mit rund 250.000 Teilnehmenden. Der Zug startet im Stadtteil St. Georg, der seit Jahrzehnten als Herz der queeren Szene in Hamburg gilt. Entlang der Strecke werden zahlreiche Bühnen und Info-Stände aufgebaut, ein buntes Programm soll bis in den Abend dauern.

Mehr als 40 Wagen von Vereinen, Parteien, Unternehmen und Kirchengemeinden sind angemeldet. Auch der Axel-Springer-Truck ist in diesem Jahr wieder dabei. Das offizielle Motto „Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!“ verdeutlicht die politische Dimension des Umzugs.

Neben den klassischen Umzugswagen sind auch Aktionsstände, Info-Mobile und musikalische Auftritte angekündigt. Für viele Besucherinnen und Besucher ist dies der wichtigste Termin des Jahres, um die Vielfalt der queeren Community zu feiern und gleichzeitig auf bestehende Ungleichheiten aufmerksam zu machen.

Politik und Stadtgesellschaft zeigen Solidarität

Die Liste der prominenten Teilnehmer ist lang. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch (57) und sein Generalsekretär Tim Klüssendorf (34) wollen ein Zeichen setzen, ebenso wie die frühere Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang (32). Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (60, SPD) wird ebenfalls vor Ort erwartet.

Die Anwesenheit dieser Spitzenpolitiker ist nicht selbstverständlich. Sie verleiht dem CSD eine besondere Sichtbarkeit und unterstreicht, dass Demokratie und Vielfalt als hohe Güter gelten. In Reden dürfte die Erinnerung an die Opfer von Berlin eine zentrale Rolle spielen.

Auch mehrere Bezirksämter und städtische Einrichtungen haben ihre Teilnahme angekündigt. Der Hamburger Senat unterstützt den CSD seit Jahren offiziell. Diese Unterstützung sei gerade in Krisenzeiten von großer Bedeutung, betonen die Organisatoren.

Berliner Gedenkwagen erinnert an die Opfer

Der Berliner CSD-Verein hat einen eigenen Wagen entsandt, um der Terroropfer zu gedenken. Die Mitglieder tragen dunkle Kleidung und wollen so ihre Trauer über den Anschlag vom 25. Juli zum Ausdruck bringen. Bei dem Anschlag war ein 21-jähriger Islamist mit einem Transporter in die Menschenmenge gerast und hatte anschließend mit einer Machete um sich geschlagen.

Die Bilanz des Anschlags: Eine Mutter aus Polen wurde getötet, 31 Menschen erlitten mehrheitlich schwere Verletzungen. Der Täter, ein vorbestrafter Mann mit Verbindungen zur Terrormiliz IS, wurde am darauffolgenden Tag von der Polizei in einer Kleingartenkolonie gestellt und erschossen. Der Anschlag hat sicherheitspolitisch große Wellen geschlagen.

Der Anschlag hat bundesweit zu einer Debatte über den Schutz von LSBTIQ*-Veranstaltungen geführt. Sicherheitsbehörden in mehreren Bundesländern haben ihre Einsatzkonzepte für Pride-Veranstaltungen überprüft und teilweise angepasst. Auch in Hamburg wird der CSD von einem speziellen Sicherheitskonzept begleitet.

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Ein Blick auf die Geschichte

Der Christopher Street Day hat eine tiefe historische Verankerung. Er geht auf die Proteste von Homosexuellen im Juni 1969 an der Christopher Street in New York zurück. Seinerzeit wehrten sich queere Menschen gegen wiederholte polizeiliche Schikanen und gesellschaftliche Diskriminierung. Die Aufstände gelten als Geburtsstunde der modernen LGBTQ-Bewegung.

Auch in Deutschland wird der CSD seit Jahrzehnten begangen – in Hamburg schreibt sich der Umzug ganz im Zeichen von Emanzipation und Lebensfreude. Dass ausgerechnet eine Woche nach dem Terroranschlag auf den Berliner CSD die Hamburger Straßen wieder voller Regenbogenflaggen sein werden, sehen viele als starkes Signal gegen Hass und Intoleranz.

Seit den 1970er Jahren hat sich der CSD von einer kleinen Protestveranstaltung zu einem Massenevent entwickelt. Heute feiern Menschen aller Generationen, Nationalitäten und Geschlechteridentitäten zusammen. Der CSD Hamburg trägt damit zur Sichtbarkeit queerer Lebensweisen in der Gesellschaft bei.

Für die Teilnehmenden ist der diesjährige CSD weit mehr als ein Fest. Er ist ein Bekenntnis zu offener Gesellschaft und ein Ausdruck der Weigerung, sich der Angst zu beugen. Genau diese Botschaft schwingt im Motto „Jetzt erst recht!“ mit.