Hitzewelle: Vogelküken flüchten aus Nestern – Pflegestationen am Limit
Hitzewelle: Vogelküken flüchten aus Nestern – Pflegestationen überlastet

Aufgrund der aktuellen Hitzewelle haben in den vergangenen Tagen etliche noch nicht flugfähige Vogelküken ihre Nester verlassen, um einer Überhitzung zu entgehen. Die Folge: Pflege- und Auffangstationen sind laut dem Naturschutzbund (Nabu) an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt. Martin Rümmler, Vogelschutzexperte des Nabu, berichtet von zahlreichen Meldungen über aufgefundene Jungvögel. Ein Zusammenhang mit der Hitzewelle sei sehr wahrscheinlich, wenngleich auch andere jährlich wiederkehrende Faktoren eine Rolle spielten. Er warnt davor, Jungvögel voreilig mitzunehmen, da dies oft mehr schade als nütze.

Frühe Hitzewelle trifft Vögel mitten in der Brutzeit

Die ungewöhnlich frühe Hitzewelle überraschte die Vögel noch während der Brutzeit. Viele Jungvögel sind derzeit noch nicht vollständig flügge und hocken in ihren Nestern. Besonders Nester an oder in Gebäuden sowie in exponierten Lagen heizen sich stark auf, erklärt Rümmler. Die Küken reagieren darauf, indem sie frühzeitig das Nest verlassen, um der Überhitzung zu entgehen. Während dies bei vielen Arten eine natürliche Reaktion ist, sind die Jungvögel am Boden zahlreichen Gefahren ausgesetzt, insbesondere durch Hauskatzen.

Mauersegler-Küken sind ohne Hilfe dem Tod geweiht

Ob ein Eingreifen des Menschen notwendig ist, hängt von der betroffenen Vogelart ab. Viele Elternvögel füttern ihren Nachwuchs auch am Boden weiter, sodass die Küken gute Überlebenschancen haben, sofern sie nicht von Räubern wie Hauskatzen erbeutet werden. Eine Ausnahme bildet der Mauersegler: Am Boden sitzende Mauersegler-Küken werden von ihren Eltern nicht weiter versorgt und sind ohne menschliches Eingreifen dem Tod geweiht, betont Rümmler. Ähnlich verhält es sich bei Mehl- und Rauchschwalben. Bei diesen Arten kann man jedoch versuchen, die Jungvögel vorsichtig zurück ins Nest zu setzen. Mauersegler-Nester sind dagegen oft schwer zugänglich, da sie in kleinen Spalten unter Dachpfannen errichtet werden.

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Viele Küken werden unbemerkt von Menschen

Neben Gebäudebrütern wie Hausspatz, Mehlschwalbe und Mauersegler dürften auch viele Küken von Arten, die in Bäumen, Sträuchern oder Nistkästen brüten, ihre Nester früher verlassen haben. Allerdings werden diese seltener von Menschen entdeckt. Am Boden oder in niedrigen Strukturen werden sie in der Regel weiterhin von ihren Eltern versorgt, erklärt Rümmler. Er rät dazu, solche Jungvögel nicht mitzunehmen, sondern sie höchstens aus sicherer Entfernung zu beobachten. In den meisten Fällen seien die Tiere nicht hilflos, auch wenn sie allein wirken. Nur bei sichtlich verletzten oder apathischen Vögeln sei ein Transport in eine Auffangstation sinnvoll. Bei gesunden Singvögeln schade menschliches Eingreifen mehr, als es nütze.

Warnung vor falscher Hilfe: Wasser kann lebensgefährlich sein

Rümmler warnt zudem vor gut gemeinten, aber gefährlichen Hilfsaktionen: Viele Naturfreunde versuchen, gefundenen Vögeln Wasser in den Schnabel zu geben. Dies könne jedoch lebensgefährlich sein, da Wasser leicht in die Luftröhre gelangen kann. Vögel schwitzen nicht und verlieren bei Hitze vergleichsweise wenig Wasser. Ihre normale Körpertemperatur liegt bei rund 41 Grad Celsius, und sie tolerieren hohe Temperaturen besser als Menschen. In Deutschland leben nach Schätzungen mehr als 15 Millionen Hauskatzen, die laut Nabu jährlich Dutzende Millionen Vögel töten. Forscher warnen, dass Katzen vielerorts weltweit die Artenvielfalt gefährden.

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