„Was haben wir gelacht“: Humorpionierinnen erinnern an Sexismus im TV
Humorpionierinnen über Sexismus im TV der 90er

Der Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ von Eva Müller und Isabel Schneider entführt die Zuschauer in ein Gruselkabinett des Männerhumors der 1990er und frühen 2000er Jahre. Die Filmemacherinnen haben Archivmaterial aus öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern zusammengetragen, das zeigt, wie sexistisch und frauenfeindlich die Unterhaltungsbranche damals war. Im Fokus stehen fünf Pionierinnen der deutschen TV-Komik: Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Esther Schweins, Bettina Böttinger und Gaby Köster. Sie erzählen, wie sie sich einen Platz im von Männern dominierten Geschäft erkämpften.

Harald Schmidts frauenfeindliche Sketche

Ein Beispiel aus dem Archiv: Harald Schmidt spuckt einer blonden Frau in den Bauchnabel, der mit Waldmeister-Brausepulver gefüllt ist. Die Frau lacht und sagt: „Also, das hätte ich nicht gedacht, dass Sie so gut lecken können!“ Das Publikum jubelt. In einem anderen Sketch empfiehlt Schmidt Pappkartons als Schutz vor sexueller Belästigung und quetscht eine Gummibrust. „Das ist sicher“, witzelt er. Die Humorpionierinnen reagieren heute mit Fremdschämen auf solche Szenen. „Unglaublich, was im deutschen Fernsehen mal ganz normal war“, sagt eine von ihnen.

Der Kampf um weibliche Comedy

Die Sender betrachteten weiblichen Humor lange als Quotenkiller. „Im Fernsehen gab es früher nur Ansagerinnen und Assistentinnen“, erinnert sich Bettina Böttinger. Maren Kroymann bekam 1993 mit „Nachtschwester Kroymann“ die erste Satiresendung einer Frau im deutschen Fernsehen – nur dank Radio Bremen. Der Film zeigt Ausschnitte aus Kulenkampff-, Thoelke- und Carrell-Shows, in denen Assistentinnen herabgewürdigt wurden. „Humor ist ein Machtfaktor“, analysiert Kroymann. „Wer sich lustig macht, definiert die Welt.“

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Kroymanns Gegenentwurf: Ironisches Sexismus-Dekouvrieren

In einem Sketch kontert Kroymann einen sexistischen Kollegen: „Meinen Sie vaginal, anal oder oral?“, fragt sie, als er nach ihrem letzten Orgasmus fragt. Dann fertigt sie ihn ab: „Sie gehören mal wieder richtig durchgefickt.“ Die Kolleginnen nennen das „ironisches Sexismus-Dekouvrieren at its best“. Der Film zeigt, wie sich die Protagonistinnen die alten Sketche noch einmal ansehen und kommentieren, woraus im Schnitt ein künstlicher Dialog entsteht.

Böttinger vs. Schmidt: Eine persönliche Abrechnung

Bettina Böttinger revanchierte sich bei Harald Schmidt für einen Gag, in dem er sie mit einer Klobrille gleichsetzte: „Die würde kein Mann freiwillig anfassen.“ Sie besuchte seine Show und ließ ihn vor laufender Kamera sitzen. Nur Hella von Sinnen kritisierte Böttingers Auftritt: „Man darf sich nie als verletzlich zeigen, keine Opferrolle einnehmen.“ Von Sinnen selbst erlebte 1995 im SWR-„Nachtcafé“ eine übergriffige Moderation: Der Moderator stellte Kroymann als „Professorentöchterchen“ vor und betastete ihren Sakko. Ein Karnevalist behauptete, von Sinnen sei im Karneval gescheitert – trotz ihrer 20 „Raketen“ Beifall.

Körperbilder und weibliche Vorbilder

Der Film thematisiert auch, dass Entertainerinnen Role Models für Körperbilder sind. Esther Schweins parodierte Verona Feldbusch in „RTL Samstag Nacht“ sehr witzig. „Was haben wir gelacht“ zeigt eine misogyne Vergangenheit, die trotz mancher Fortschritte noch nicht überwunden ist. Der Film läuft aktuell in den Kinos.

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