Eine Kolumne von Daniel Haas wirft ein Schlaglicht auf einen irritierenden Sprachwandel: Immer mehr Menschen sagen nicht mehr „Ich habe ein Problem“, sondern „Ich war im Problem“. Dieser Satz, so Haas, sei nicht nur grammatikalisch fragwürdig, sondern auch ein Zeichen für eine veränderte Einstellung zu Problemen. Der Spiegel-Kolumnist analysiert, warum diese Formulierung problematisch ist und was sie über die aktuelle Befindlichkeit der Gesellschaft verrät.
Vom Haben zum Sein: Ein neuer Sprachgebrauch
Der Ausdruck „Ich war im Problem“ suggeriert laut Haas eine Art von Zustand, in dem man sich befindet, statt aktiv ein Problem zu besitzen. „Es klingt, als wäre man in ein Problem hineingeraten, wie in einen Nebel oder eine Stimmung“, schreibt Haas. Diese passive Formulierung entziehe dem Sprecher die Handlungsmacht: Wer ein Problem hat, kann es lösen; wer im Problem ist, scheint darin gefangen. Der Kolumnist sieht darin eine bequeme Ausrede, Verantwortung abzugeben.
Ein Trend in der Alltagssprache
Der Sprachwandel ist kein Einzelfall. Ähnliche Formulierungen wie „Ich bin im Stress“ oder „Ich war im Tunnel“ haben sich in den letzten Jahren etabliert. Haas beobachtet, dass diese Metaphern aus der Psychologie und der Ratgeberliteratur stammen, wo sie oft als Fachbegriffe für innere Zustände verwendet werden. „Wenn man ständig im Problem ist, wird das Problem zu einem Ort, den man nicht verlassen kann“, erklärt der Autor. Die Folge: Probleme werden nicht mehr als lösbare Herausforderungen gesehen, sondern als unveränderliche Schicksalsschläge.
Die Gefahr der sprachlichen Verharmlosung
Haas warnt davor, dass diese Sprache die Wahrnehmung von Problemen verzerrt. „Indem wir sagen, wir seien im Problem, verharmlosen wir die Dringlichkeit und die Notwendigkeit, etwas zu ändern“, so der Kolumnist. Stattdessen werde das Problem zu einer Art Wohnzimmer, in dem man sich einrichtet. Der Sprachgebrauch fördere eine Kultur der Passivität und des Aushaltens, anstatt der aktiven Gestaltung.
Ein Aufruf zur sprachlichen Klarheit
Der Kolumnist plädiert für eine Rückkehr zur präzisen Sprache: „Sagen wir doch einfach: Ich habe ein Problem. Das klingt nicht schön, aber es ist ehrlich. Und es eröffnet die Möglichkeit, eine Lösung zu suchen.“ Haas sieht den Trend als Symptom einer Gesellschaft, die Konflikte und Schwierigkeiten lieber metaphorisch umschreibt, statt sie beim Namen zu nennen. Sein Fazit: Wer im Problem ist, sollte schnellstmöglich wieder herausfinden – am besten durch eine klare Ansage.



