Rekordwert antimuslimischer Vorfälle in Deutschland
Die Zahl dokumentierter islamfeindlicher Vorfälle in Deutschland hat 2025 einen neuen Höchststand erreicht. Laut dem am Dienstag vorgestellten „zivilgesellschaftlichen Lagebild antimuslimischer Rassismus“ der Organisation CLAIM wurden im vergangenen Jahr 4096 Fälle registriert – ein Anstieg um rund 33 Prozent im Vergleich zu 3080 Fällen im Vorjahr. Das bedeutet durchschnittlich elf Vorfälle pro Tag.
Ferda Ataman, Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, bezeichnete die Zahlen als „Alarmsignal“. Sie betonte, dass das Lagebild zwar nicht repräsentativ sei, aber wichtige Hinweise auf das Ausmaß der Diskriminierung gebe. Die Ergebnisse deckten sich mit repräsentativen Befragungen, wonach Musliminnen und Muslime in Deutschland täglich Diskriminierung erfahren.
Zunahme schwerer Delikte und Gewalt
Der Bericht dokumentiert nicht nur einen Anstieg der Fallzahlen, sondern auch eine Zunahme schwerer Straftaten. So wurden zwei Tötungsdelikte, 214 Körperverletzungen (darunter vier schwere Körperverletzungen oder versuchte Tötungen), 320 Sachbeschädigungen und fünf Brandstiftungen erfasst. „Insgesamt zeigt sich für 2025 nicht nur ein Anstieg dokumentierter antimuslimischer Vorfälle, sondern auch eine Zunahme bei schweren Delikten in Form von Körperverletzungen“, heißt es in der Zusammenfassung.
Über 60 Prozent der Vorfälle waren verbale Angriffe, 20 Prozent Diskriminierungen und gut 17 Prozent verletzendes Verhalten. Für rund 200 Fälle lagen keine näheren Angaben vor. Die Daten stammen unter anderem von Melde- und Beratungsstellen sowie aus Polizeimitteilungen.
Frauen besonders betroffen – hohe Dunkelziffer
Laut CLAIM sind knapp 65 Prozent der Betroffenen weiblich. Diese Erkenntnis decke sich mit repräsentativen Befragungen. Frauen, die sichtbar muslimisch sind, seien häufig von einer Verschränkung von Sexismus und Rassismus betroffen. Antimuslimische Gewalt trete in allen Bereichen der Gesellschaft auf: im öffentlichen Raum, in Bildungseinrichtungen, am Arbeitsplatz und in Wohnungen. Knapp 60 Prozent der Vorfälle ereigneten sich offline, rund 40 Prozent in der digitalen Welt.
Die Organisation geht von einer hohen Dunkelziffer aus, da antimuslimischer Rassismus oft nicht erkannt werde und viele Vorfälle nicht gemeldet oder angezeigt würden. Bei Personen, die häufig Diskriminierung erlebten, führe dies zu einer schleichenden Normalisierung, was das Sicherheitsgefühl und die Lebensqualität beeinträchtige.
Ataman fordert entschlossenes Handeln
„Das Lagebild von CLAIM ist ein Alarmsignal, das wir ernst nehmen müssen“, kommentierte Ataman. Es dürfe nicht zur Normalität werden, dass Musliminnen und Muslime wegen ihres Glaubens beschimpft, bedroht oder angegriffen werden. Sie appellierte: „Lassen Sie uns gemeinsam dafür einsetzen, dass der Schutz vor Diskriminierung im Grundgesetz und im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz zur gelebten Normalität wird.“
Der Bericht wurde von CLAIM erstellt, einer bundesweit tätigen Organisation gegen antimuslimischen Rassismus, die vom Bundesbildungsministerium gefördert wird. Es ist die vierte Ausgabe des Lagebilds.



