Deutsche Sicherheitsbehörden haben wiederholt islamistisch motivierte Anschlagspläne rechtzeitig vereitelt. Doch immer wieder gelingt es radikalisierten Einzeltätern, ihre tödlichen Vorhaben umzusetzen – ohne dass ein Netzwerk im Hintergrund erkennbar ist. Eine Chronologie der schwersten Fälle seit 2016 zeigt das Muster: über Online-Propaganda radikalisierte junge Männer, die ohne direkte Befehle handeln.
Die Anfänge: Messerattacken und die erste Welle 2016
Im Februar 2016 sticht die 15-jährige Safia S. am Hauptbahnhof Hannover mit einem Messer auf einen Bundespolizisten ein, der lebensgefährlich verletzt wird. Das Mädchen hatte sich nach Angaben der Bundesanwaltschaft von IS-Mitgliedern online radikalisieren lassen und war zu einer „Märtyreroperation“ überredet worden. Nur wenige Monate später, im Juli 2016, verletzt ein 17-jähriger afghanischer Flüchtling in einer Regionalbahn bei Würzburg mit Axt und Messer vier Menschen schwer, auf der Flucht auch eine Fußgängerin. Die Polizei erschießt den Täter, der sich in einem selbst aufgenommenen Video als „Soldat des IS“ bezeichnet hatte. Ebenfalls im Juli 2016 zündet ein 27-jähriger syrischer Flüchtling auf einem Musikfestival in Ansbach eine Rucksackbombe und stirbt dabei. 15 Menschen werden verletzt. Der Täter hatte sich eigenständig radikalisiert, ihm drohte die Abschiebung. Der IS bekannte sich später zu dem Anschlag.
Der bislang schwerste Anschlag: Berliner Weihnachtsmarkt 2016
Am 19. Dezember 2016 rast der Tunesier Anis Amri mit einem Lastwagen in den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz. 13 Menschen sterben, 61 werden verletzt, viele davon schwer. Amri, der sich über Jahre radikalisiert hatte, handelte als Einzeltäter. Der IS reklamierte die Tat nachträglich für sich. Es war der schwerste islamistische Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik.
Weitere Attacken in Hamburg, Dresden und Duisburg
Im Juli 2017 greift der 26-jährige Palästinenser Ahmad A. in einem Hamburger Supermarkt Kunden an. Ein Mensch stirbt, mehrere werden lebensgefährlich verletzt. Der als IS-Sympathisant geltende Täter wurde eigenständig radikalisiert und zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Oktober 2020 tötet ein 20-jähriger Syrer in der Dresdner Altstadt einen 55-jährigen Touristen mit Messerstichen und verletzt dessen Lebenspartner. Der vorbestrafte Islamist wurde 2021 zu lebenslanger Haft verurteilt. Im April 2023 bringt ein mit IS-Gedankengut radikalisierter Einzeltäter in Duisburg einen 35-Jährigen nachts auf der Straße mit 28 Messerstichen um. Tage später sticht derselbe Syrer in einem Fitnessstudio auf Besucher ein und verletzt vier Männer schwer. Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilte den IS-Anhänger zu lebenslanger Haft.
Jüngste Fälle: Solingen 2024 und Bielefeld 2025
Im August 2024 tötet ein radikalisierter Asylbewerber aus Syrien auf dem Solinger Stadtfest drei Menschen mit einem Messer, weitere werden verletzt. Der Einzeltäter, Mitglied der Terrormiliz IS, wurde zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Im Mai 2025 greift ein Mann mit „Allahu akbar“-Rufen vor einer Bar in Bielefeld vier Menschen mit einem Messer an und verletzt sie lebensgefährlich. Der Syrer, ein Anhänger des radikalen IS, wurde am Folgetag festgenommen und ebenfalls zu lebenslanger Haft mit Sicherungsverwahrung verurteilt.
Die Serie zeigt: Die Gefahr geht vor allem von Einzeltätern aus, die sich im Internet radikalisieren. Sicherheitsbehörden stehen vor der Herausforderung, diese oft unberechenbaren Täter frühzeitig zu identifizieren.



