In der Russischen Kolonie Alexandrowka in Potsdam ist das Leben für die Bewohner öffentlich: Fast 1000 Touristen schlendern an manchen Tagen an den historischen Holzhäusern vorbei, machen Fotos von kunstvollen Klingelknäufen und schauen neugierig in die Fenster. Stefanie Knapp, die im Haus Nummer 6 lebt, berichtet den Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN), dass sie die Besucher als Teil des Alltags akzeptiert hat: „Die Touristen gehören hier dazu.“
Einblicke in das Welterbe
Die Russische Kolonie Alexandrowka, die seit 1999 zum UNESCO-Welterbe gehört, ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Potsdams. Die 13 Holzhäuser im russischen Stil wurden 1826–1827 für die letzten russischen Sänger des preußischen Militärs erbaut. Heute leben hier etwa 30 Menschen, darunter auch Nachfahren der ursprünglichen Bewohner. Die Mischung aus Wohnen und Tourismus ist für die Anwohner eine tägliche Herausforderung.
Alltag zwischen Neugier und Privatsphäre
Stefanie Knapp erklärt, dass die Besucher oft keine Scheu zeigen: „Manche klopfen sogar an die Tür und fragen, ob sie den Garten sehen dürfen.“ Sie hat gelernt, damit umzugehen, indem sie ihre Vorhänge geschlossen hält und private Bereiche klar abgrenzt. Trotz der Belastung schätzt sie die historische Atmosphäre und die Gemeinschaft in der Kolonie. „Es ist ein besonderer Ort, an dem man sich geborgen fühlt“, sagt sie.
Besucherandrang und Schutzmaßnahmen
Die Stadt Potsdam hat in den letzten Jahren Maßnahmen ergriffen, um das Erbe zu schützen und den Tourismus zu lenken. So wurden Hinweisschilder aufgestellt, die auf die Privatsphäre der Bewohner hinweisen. Dennoch bleibt der Andrang hoch: An Spitzentagen zählt die Stadt bis zu 1000 Besucher in der Kolonie. Die Bewohner haben gelernt, mit den Blicken und Kameras umzugehen, wie Knapp betont: „Man gewöhnt sich daran, aber es erfordert auch Toleranz.“
Ein lebendiges Denkmal
Die Russische Kolonie Alexandrowka ist nicht nur ein Touristenmagnet, sondern auch ein bewohntes Denkmal. Die Bewohner tragen aktiv zum Erhalt der historischen Substanz bei, indem sie die Häuser pflegen und an Restaurierungsprojekten teilnehmen. Stefanie Knapp sieht ihre Rolle als Botschafterin des Welterbes: „Wir zeigen den Besuchern, dass hier echte Menschen leben, die die Geschichte am Leben erhalten.“



