Kurz vor dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Mexiko, Kanada und den USA haben die Proteste der Lehrkräfte in Mexiko-Stadt eine neue Eskalationsstufe erreicht. Demonstrierende Pädagogen stürzten am Dienstag mehrere überlebensgroße Statuen von Fußballspielern, die entlang der Prachtstraße Paseo de la Reforma aufgestellt waren. Die Aktion war Teil einer größeren Protestwelle, die seit Tagen die mexikanische Hauptstadt erschüttert.
Statuen von Spanien, Belgien und Frankreich umgerissen
Die fünf Meter hohen Kunststofffiguren, die Spieler aus verschiedenen Nationen darstellen, wurden von den Demonstranten mit Seilen zu Fall gebracht. Anschließend zogen sie den Statuen die Trikots aus und verbrannten diese. Betroffen waren die Figuren von Spanien, Belgien und Frankreich. Die Statue der mexikanischen Nationalmannschaft blieb hingegen unversehrt. Auf einer der umgestürzten Figuren war in roter Graffiti-Schrift zu lesen: „Wenn es keine Lösung gibt, rollt der Ball nicht.“ Die Polizei griff bei der Aktion nicht ein.
Gewerkschaft droht mit Massenprotesten bei WM-Eröffnung
Die Lehrergewerkschaft CNTE kündigte an, bei der Eröffnungsfeier der Weltmeisterschaft am 11. Juni Massendemonstrationen zu organisieren, falls die Regierung nicht auf ihre Forderungen eingeht. Die Gewerkschaft verlangt unter anderem eine deutliche Gehaltserhöhung und neue Verhandlungen über das Rentensystem. Beim Auftaktspiel trifft die mexikanische Nationalmannschaft auf Südafrika. Die Gewerkschaftsvertreter betonten, dass sie bereit seien, den Spielbetrieb zu stören, wenn ihre Anliegen ignoriert würden.
Regierung zeigt sich gesprächsbereit
Präsidentin Claudia Sheinbaum bezeichnete die Proteste, die zu erheblichen Verkehrsbehinderungen führten, zunächst als friedlich. In einer offiziellen Stellungnahme rief die Regierung die Lehrkräfte zur Wiederaufnahme des Dialogs auf. Sheinbaum betonte die Bereitschaft, über die Forderungen zu verhandeln, um eine Eskalation zu vermeiden. Gleichzeitig wurde die Polizei angewiesen, die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten, aber eine übermäßige Gewaltanwendung zu vermeiden.
Hintergrund der Proteste
Bereits am Montag war es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die Beamten setzten Tränengas ein, um einen Marsch der Lehrkräfte aufzulösen. Offenbar sollte verhindert werden, dass die Demonstranten den zentralen Zócalo-Platz erreichen, wo während der WM ein großes Fanfest mit einer riesigen Leinwand geplant ist. Die Fanzone befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Regierungspalast und wird seit Tagen aufgebaut. Nach Angaben der mexikanischen Tageszeitung „El Universal“ wurden bei den Protesten mindestens drei Personen verletzt.
Am Dienstag blieb der Zócalo-Platz weiterhin durch Metallbarrikaden abgesperrt. Die Stimmung in der Stadt ist angespannt, und viele Bürger befürchten weitere Unruhen, falls die Regierung nicht bald eine Einigung mit den Lehrkräften erzielt. Die Weltmeisterschaft soll am 11. Juni mit dem Spiel Mexiko gegen Südafrika eröffnet werden. Ob die Proteste den Spielplan beeinflussen werden, bleibt abzuwarten.



