Der Islamismus-Experte und Psychologe Ahmad Mansour schlägt Alarm: Zehntausende, teils gewaltbereite Islamisten leben in Deutschland. Nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) erhebt er schwere Vorwürfe gegen Politik und Justiz. „Das Problem ist riesengroß“, sagte Mansour im Podcast mit BILD-Vize Paul Ronzheimer.
Versagen bei der Gefährderbekämpfung
Mansour kritisiert insbesondere, dass der mutmaßliche Täter, ein als Gefährder eingestufter Islamist, trotzdem frei herumlaufen konnte. „Ein Gefährder, der versucht hat, Richtung IS auszureisen, der als Gefährder eingestuft wurde und trotzdem frei gelaufen ist, ein Auto mieten konnte und sogar einen Anschlag durchführen konnte, ist natürlich ein großes Versagen.“ Der Täter hatte versucht, sich dem Islamischen Staat anzuschließen, erhielt jedoch lediglich eine Bewährungsstrafe und sollte an einem Deradikalisierungsprogramm teilnehmen.
Mansours eigene Radikalisierungserfahrung
Im Podcast schildert Mansour, wie er als Jugendlicher selbst zum Islamisten wurde. In der Schule gemobbt, fand er Halt bei einem Imam. „Der Imam sagte im zweiten Unterricht schon: Ihr werdet die Welt beherrschen.“ Heute erkenne er dieselben Muster bei vielen jungen Muslimen in Deutschland. „Ganz viele, die Richtung Radikalisierung gehen, haben erst einmal eine persönliche Krise. Sie suchen nach Identität, nach Zugehörigkeit. Leider muss ich heute sagen: Die Islamisten sind die besseren Sozialarbeiter.“
Netzwerke und soziale Medien
Mansour warnt vor einem Netzwerk verschiedener islamistischer Akteure, die junge Menschen gezielt in den sozialen Medien radikalisieren und in Parallelgesellschaften ziehen. „Von da ist der Weg zu einem radikalen Weltbild sehr kurz.“ Auch die Reaktionen in arabischsprachigen sozialen Netzwerken bereiten ihm Sorgen: Tausende Nutzer hätten den Anschlag gefeiert. Für ihn sei das „nicht überraschend und auch nicht neu“.
Kritik an muslimischen Verbänden und Politik
Muslimische Verbände müssten mehr tun als Anschläge zu verurteilen. „Ich brauche keine Presseerklärung von irgendeinem Verband.“ Solange in Moscheen Homosexualität als Sünde bezeichnet werde, fehle es an glaubwürdiger Prävention, so Mansour. Der CSD-Attentäter war den Behörden bekannt, erhielt eine Bewährungsstrafe und sollte an einem Deradikalisierungsprogramm teilnehmen. Für Mansour ein Fehler: „Der sollte nach seiner Rückkehr für mindestens fünf bis sieben Jahre verurteilt worden sein. Dann hätte er diesen Anschlag nicht durchführen können.“ Deradikalisierung sei wichtig, „aber niemals eine Ersatzstrafe. Sie kann vor allem gut funktionieren, wenn sie im Gefängnis stattfindet.“
Forderungen nach strengeren Maßnahmen
„Diese unkontrollierte Migration hat uns viele Probleme gemacht“, kritisiert Mansour weiter. Er fordert verpflichtende Integrationsvereinbarungen und Abschiebungen im Extremfall für Islamisten. Zugleich müsse klar zwischen Schutzsuchenden und Asylmissbrauch unterschieden werden. Sein Fazit: „Ich befürchte, es wird nicht aufhören. Aber wir können enorm viel tun, diese Gefahren zu begrenzen.“



