Der gemeinnützige Bildungsverein „Von Meisterhand e.V.“ in Berlin-Neukölln steht vor einer ungewissen Zukunft. In der dazugehörigen Modemanufaktur „Rita in Palma“ in der Kienitzer Straße 101 stellen Frauen mit Migrationshintergrund hochwertige Accessoires wie handgefertigte Couture-Stücke, edle Unterwäsche und Kristallperlen-Choker her. Der Verkauf der Produkte sichert den Frauen ein Einkommen, doch die Finanzierung des Projekts ist akut gefährdet.
Wirtschaftssenatorin Giffey zeigt sich begeistert
Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) besuchte am Montag die Manufaktur und zeigte sich beeindruckt: „Sogar zum Dirndl passt diese Häkelkunst aus Neukölln“, lobte sie. Elf Frauen arbeiten in der Manufaktur mit – fünf von ihnen selbstständig, sechs in Festanstellung. Sie kommen aus dem Libanon, der Türkei, Syrien, Bulgarien, Jordanien und Kurdistan. Gegründet wurde der Verein 2012 von der Modedesignerin Ann-Kathrin Carstensen.
Idee aus der Kindheit: Talente sichtbar machen
Carstensen wuchs in einem Hamburger Stadtteil auf, in dem viele kurdische und türkische Gastarbeiterfamilien lebten. „Ich habe schon ganz früh beobachten können, dass besonders die sehr traditionellen Frauen unfassbare, handwerkliche Fähigkeiten haben“, sagt sie. Viele der Frauen, die sie kennenlernte, lebten isoliert in ihren Familien und seien in der Gesellschaft kaum sichtbar. „Einige leben seit 30 Jahren in Deutschland und sprechen kaum ein Wort Deutsch“, so Carstensen. Sie schuf mit dem Atelier einen Ort, der die Talente der Frauen wertschätzt, sichtbar macht und sie zugleich unterstützt. Neben bezahlten Arbeitsplätzen bietet der Verein Deutsch- und Yogaunterricht sowie Beratung an.
Finanzierungslücke bedroht Existenz
Trotz der hochwertigen Produkte und der sozialen Bedeutung bangt der Verein um seine Existenz. Zwar werden die Löhne der Frauen teilweise vom Jobcenter bezuschusst, doch seit 2021 die Co-Finanzierung durch das Land Berlin aufgrund des Wegfalls der Bezirksbefürwortung entfiel, fehlt Geld. Besonders der Juli sei eine Zitterpartie. Carstensen leitet das Management weitgehend allein, unterstützt von nur einer Teilzeitkraft. Viel Zeit fließt in komplexe Förderanträge, die oft abgelehnt werden.
Giffey betont strukturelle Bedeutung
Wirtschaftssenatorin Giffey unterstrich bei ihrem Besuch die Bedeutung des Projekts: „Diese kleine Manufaktur hat es geschafft, von einem Innovationsprojekt in einen Modemarkt reinzugehen.“ Damit dieser Schritt dauerhaft gelingt, hofft Carstensen auf Spenden und die Bewilligung neuer Anträge – für den Fortbestand des Projekts und „um noch mehr Frauen die Chance zu geben, hier wachsen zu können“. Die Mitarbeiterinnen geben ihre Fähigkeiten auch an andere weiter, insbesondere an neu zugewanderte Frauen. Carstensen ist überzeugt: „Wenn man eine Familienmama fördert, fördert man im Zweifel im besten Fall fünf Kinder mit.“ Das Selbstbewusstsein und die Bildung würden die Frauen direkt in ihre Familien tragen.



