Zwei Wissenschaftlerinnen haben Schriften von Nonnen aus dem 16. Jahrhundert analysiert und dabei überraschende Parallelen zum heutigen Arbeitsleben entdeckt. In einem Interview mit dem SPIEGEL berichten Ana Garriga und Carmen Urbita, wie die historischen Texte ihnen halfen, selbstbewusster zu werden.
Die Forschung: Schriften von Nonnen als Spiegel der Arbeitswelt
Garriga und Urbita untersuchten handschriftliche Aufzeichnungen von Nonnen aus Klöstern des 16. Jahrhunderts. Dabei stießen sie auf Klagen über Überlastung, mangelnde Anerkennung und hierarchische Strukturen – Themen, die auch heute in vielen Berufen präsent sind. „Als wir die Schriften der Nonnen lasen, mussten wir unweigerlich Parallelen zwischen ihrem und unserem Leben finden“, erklären die Forscherinnen.
Konkrete Tipps aus der Vergangenheit
Die Nonnen beschrieben Strategien, mit schwierigen Situationen umzugehen. Ein zentraler Ratschlag lautete: „Wenn man nicht weint, nicht klagt, sich nie beschwert, wird sich auch nichts ändern.“ Diese Aufforderung zur aktiven Kommunikation habe die Wissenschaftlerinnen inspiriert, im Berufsleben mehr für ihre Anliegen einzutreten. „Die Nonnen lehrten uns, dass Schweigen oft als Zustimmung gewertet wird“, so Urbita.
Selbstbewusstsein durch historische Vorbilder
Die Erkenntnisse aus den Schriften halfen den Forscherinnen, eigene Verhaltensmuster zu reflektieren. „Wir haben gelernt, dass es wichtig ist, seine Meinung zu äußern, auch wenn man Widerstand erwartet“, sagt Garriga. Die Nonnen des 16. Jahrhunderts hätten in einer strengen Umgebung Wege gefunden, ihre Stimme zu erheben – ein Modell für die moderne Arbeitswelt.
Parallelen zur heutigen Arbeitskultur
Die Wissenschaftlerinnen betonen, dass viele Probleme der Nonnen – wie Überarbeitung, fehlende Wertschätzung und Machtgefälle – auch heute noch existieren. „Die Geschichten der Nonnen sind zeitlos“, so Urbita. Die Forschung zeige, dass historische Perspektiven helfen können, aktuelle Herausforderungen besser zu verstehen und zu bewältigen.



