Ein Porträt der Berliner Rapperin Nura sorgt in Südtirol für Aufsehen. Das Werk der Künstlerin Carmen Maria Alber wurde aus der Stadtgalerie in Bozen entfernt, nachdem sich Besucher über die angebliche politische Aussage des Bildes beschwert hatten. Nun hängt es im Sitz des Südtiroler Landeshauptmanns Arno Kompatscher.
Abgehängt wegen „Troppo politico!“
Als Carmen Maria Alber die Stadtgalerie in Bozen betrat, fiel ihr sofort der leere weiße Fleck an der Wand auf. Dort sollte ihr Bild hängen. „Mein erster Impuls war: Verkauft!“, sagte die Künstlerin. Doch dann folgte die Ernüchterung: Das Porträt war abgehängt worden, weil einige wenige Galeriebesucher sich beschwert hatten: „Troppo politico!“ – Zu politisch. Die Veranstalter der Ausstellung knickten ein und verbannten das Werk in die Abstellkammer.
Vom Abstellraum ins Politik-Büro
Die Nachricht von der Zensur verbreitete sich schnell. Der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher bot an, das Bild in seinem Büro aufzuhängen. „Kunst darf nicht mundtot gemacht werden“, sagte Kompatscher. „Gerade in Zeiten, in denen politische Diskussionen wichtig sind, müssen wir für die Freiheit der Kunst einstehen.“ Seitdem schmückt das Nura-Porträt den Amtssitz des Regierungschefs. Alber zeigte sich erleichtert: „Es ist ein starkes Zeichen, dass die Politik hier für die Kunst eintritt.“
Hintergrund: Nura als Symbolfigur
Nura, bürgerlich Nura Habib Omer, ist eine deutsche Rapperin mit eritreischen Wurzeln. Sie thematisiert in ihren Texten oft Rassismus, Feminismus und gesellschaftliche Missstände. Ihr Porträt, gemalt von Carmen Maria Alber, zeigt sie mit einem durchdringenden Blick – für manche Betrachter offenbar eine Provokation. „Das Bild ist nicht aggressiv, es ist einfach nur ein Porträt“, betont Alber. „Aber Nura steht für viele Menschen, die sich gegen Diskriminierung wehren. Das scheint einige zu stören.“
Die Ausstellung in der Bozener Stadtgalerie war Teil einer Reihe lokaler Künstler. Nach dem Vorfall kritisierte der Südtiroler Künstlerverband die Entscheidung der Galerie scharf. „Zensur hat in einer demokratischen Gesellschaft keinen Platz“, hieß es in einer Stellungnahme. Die Galerie selbst äußerte sich bislang nicht öffentlich zu dem Vorfall.
Carmen Maria Alber hofft nun, dass ihr Bild bald wieder öffentlich gezeigt wird. „Es wäre schön, wenn es irgendwann wieder in der Galerie hängen könnte, ohne dass es gleich wieder abgehängt wird“, sagte sie. Bis dahin genießt das Porträt einen besonderen Platz – im Herzen der Südtiroler Landespolitik.



