Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit hat nach jahrelanger schwerer Lungenfibrose eine neue Lunge erhalten – nur zwei Wochen nach ihrer Aufnahme auf die Warteliste. Dieser bemerkenswert kurze Zeitraum wirft eine grundlegende Frage auf: Warum gelingt eine solche Operation in Norwegen deutlich schneller als in Deutschland?
Das System macht den Unterschied
Die Antwort liegt im jeweiligen Transplantationssystem. Norwegen setzt auf die sogenannte Widerspruchslösung: Wer nicht ausdrücklich widerspricht, gilt nach dem Tod grundsätzlich als Organspender. Zudem ist das Land Mitglied im skandinavischen Verbund Scandiatransplant, der den Austausch von Spenderorganen zwischen mehreren nordischen Ländern organisiert. Die Folge sind hohe Spenderzahlen und kürzere Wartezeiten für schwer kranke Menschen.
Deutschland hingegen hält an der Zustimmungslösung fest: Wer Organspender werden möchte, muss dies aktiv erklären. Dies führt seit Jahren zu niedrigen Spenderzahlen und langen Wartelisten. Tausende Patienten hoffen auf ein lebensrettendes Organ, viele warten Monate oder Jahre – manche erleben die Transplantation nicht mehr.
Ethische Abwägung und Reformbedarf
Selbstverständlich darf die Entscheidung über die Organspende nicht leichtfertig getroffen werden. Sie berührt ethische, religiöse und persönliche Überzeugungen. Doch der Fall Mette-Marit zeigt, wie entscheidend die gesetzlichen Rahmenbedingungen sein können. Während Deutschland seit Jahren über Reformen diskutiert, demonstriert Norwegen, dass ein anderes System Leben retten kann – oft schneller, als viele für möglich halten.
Ein Kommentar von Alina Juravel, Redakteurin im Ressort Leben der FUNKE Zentralredaktion.



