Pähtz boykottiert Schachgipfel wegen Preisgeld-Ungleichheit
Pähtz boykottiert Schachgipfel wegen Preisgeld-Ungleichheit

Elisabeth Pähtz, die stärkste deutsche Schachspielerin, hat ihre Teilnahme am Schachgipfel in Dresden abgesagt. Damit setzt sie ein deutliches Zeichen gegen die ungleiche Preisgeldverteilung zwischen Männern und Frauen im Schachsport. Die Differenz betrage lediglich 5000 Euro beim Gesamtpreisfonds, wie sie dem Tagesspiegel in einem Interview erläuterte. „Es handelt sich um den gleichen Titel, die gleiche Medaille, das gleiche Turnier – der Verband sollte die Gelder endlich angleichen", wird Pähtz zitiert. „Ich fordere das schon seit mehreren Jahren."

Pähtz ist die stärkste Spielerin des Landes und international eine feste Größe. 2022 gelang ihr ein Meilenstein: Als erste deutsche Frau erhielt sie den Großmeistertitel der FIDE, die höchste Auszeichnung im Schach. Dieser prestigeträchtige Titel wird nur an Spieler vergeben, die über Jahre hinweg herausragende Leistungen erbringen. Umso bemerkenswerter ist ihre Entscheidung, ausgerechnet dieses Turnier zu boykottieren.

Ein historischer Erfolg mit Signalwirkung

Der Großmeistertitel ist im Schach das Ziel jeder ambitionierten Karriere. Er erfordert eine Vielzahl von Turniererfolgen und das Erfüllen strenger Normen. Dass ausgerechnet eine Frau diesen Titel für Deutschland als Erste errang, hatte weitreichende Symbolkraft. Pähtz selbst machte jedoch deutlich, dass Titel allein nicht ausreichen, wenn die Bedingungen nicht stimmen. Die mangelnde Gleichstellung bei den Preisgeldern sei ein solcher Missstand, gegen den sie nun bewusst vorgeht.

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Das Turnier in Dresden hätte für Pähtz eine Bühne sein können, ihre Klasse erneut unter Beweis zu stellen. Doch der sportliche Wettkampf tritt für sie derzeit hinter eine grundsätzliche Forderung zurück: gleiche Prämien für gleiche Leistung. Nach Angaben von Pähtz beträgt der Unterschied im Gesamtpreisfonds des Schachgipfels 5000 Euro – ein Betrag, den sie nicht länger akzeptieren will.

Langjähriger Kampf um Gleichstellung

Die 5000 Euro sind für Pähtz kein rein finanzielles Problem, sondern ein Symbol für die strukturelle Benachteiligung von Frauen im Schach. Seit Jahren weist sie in Interviews und Stellungnahmen auf diese Ungerechtigkeit hin. Ihre Geduld sei nun erschöpft, sagte sie dem Tagesspiegel. „Ich habe zu lange gewartet", wird sie in dem Gespräch zitiert. Mit ihrer Absage will sie den Druck auf die Verantwortlichen erhöhen.

Pähtz fordert nicht weniger, als dass der Schachverband die Preisgelder vollständig angleicht. Ihrer Ansicht nach gibt es keine sachliche Rechtfertigung für die unterschiedlichen Beträge. Frauen und Männer spielten dasselbe Spiel, verfolgten dieselbe Medaille und trügen dieselbe Verantwortung im Wettkampf. Es sei allein eine Frage des Willens, diese Ungleichheit zu beenden.

Mutter im Spitzensport: Zusätzliche Hürden

Ein weiteres Thema, das Pähtz im Interview anspricht, ist ihr Alltag als Mutter im Hochleistungssport. Diese Doppelrolle bringe besondere Herausforderungen mit sich, die im normalen Sportbetrieb kaum berücksichtigt würden. Sie habe ihr Training und ihre Turnierreisen stets mit der Verantwortung für ihr Kind vereinbaren müssen – eine logistische Meisterleistung, die sie nicht immer allein bewältigen konnte.

Diese Erfahrungen hätten ihr Auge für Ungleichheiten geschärft, die über das Preisgeld hinausgehen. Frauen im Spitzensport müssten oft zusätzliche Hürden nehmen, nur um auf demselben Niveau anzutreten wie ihre männlichen Kollegen. Dass dieses Thema bislang wenig Aufmerksamkeit erhält, kritisiert Pähtz – und hofft, dass ihr Boykott dazu beiträgt, auch solche Missstände in den Fokus zu rücken.

Ein Signal mit Reichweite

Mit ihrem Schritt stellt sich die Großmeisterin an die Seite anderer Sportlerinnen, die weltweit für gleiche Bezahlung kämpfen. Die Absage für Dresden ist ein klares Statement, das weit über die Schachszene hinaus Beachtung finden dürfte. Sie zeigt, dass selbst die Besten ihrer Zunft bereit sind, auf Erfolge zu verzichten, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen.

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Ob der Schachverband die Preisgeldstruktur überarbeitet, bleibt abzuwarten. Pähtz hat jedoch bereits angekündigt, dass sie ihre Haltung nicht ändern wird, solange die Ungleichheit besteht. Ihr Beispiel könnte andere betroffene Spielerinnen ermutigen, ebenfalls für faire Bedingungen einzutreten. Der Schachgipfel in Dresden wird in diesem Jahr jedenfalls ohne die prominenteste deutsche Spielerin auskommen müssen – und das aus guten Gründen.