Plädoyer gegen den Wandel als Selbstzweck: Warum Bewährtes oft besser ist
Plädoyer gegen den Wandel als Selbstzweck: Bewährtes oft besser

Berlin. In einer Zeit, in der ständiger Wandel als unumstößliches Gesetz gilt, wagt eine Stimme den Widerspruch. Uta Keseling, Reporterin und Autorin der Kolumne „Stadtflucht“, plädiert in ihrem Kommentar dafür, Dinge so zu machen wie schon immer – und richtet sich gegen den Wandel als Selbstzweck. Ihr Ausgangspunkt: ein unscheinbares Telefonkabel.

Das Telefonkabel als Symbol der Freiheit

Keseling erinnert an die Zeiten, als Telefone noch fest mit der Wand verbunden waren. „An Whatsapp war nicht zu denken: Das Telefon mit langem Kabel war der erste Vorbote des ‚mobilen Telefonierens‘“, schreibt sie. Doch für sie symbolisiert das Kabel nicht Einschränkung, sondern eine bestimmte Art von Freiheit: die Freiheit, nicht ständig erreichbar sein zu müssen, die Freiheit, sich auf ein Gespräch zu konzentrieren, ohne von Benachrichtigungen unterbrochen zu werden. Dieses Bild nutzt sie, um eine grundsätzliche Kritik an der heutigen Veränderungsmentalität zu formulieren.

Wandel um des Wandels willen

Die Reporterin beobachtet, dass Veränderung oft zum Selbstzweck geworden ist. „Hört auf, uns zu bevormunden“, fordert sie. Ihrer Ansicht nach wird der Wandel häufig von oben verordnet, ohne dass der Nutzen für die Betroffenen klar ist. „Change“ sei in vielen Unternehmen und gesellschaftlichen Bereichen zum Mantra geworden, das kritiklos übernommen werde. Dabei werde übersehen, dass Bewährtes oft seine Berechtigung habe und nicht leichtfertig aufgegeben werden sollte.

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Ein Plädoyer für Beständigkeit

Keseling ruft dazu auf, Traditionen und etablierte Abläufe nicht vorschnell zu verwerfen. Sie argumentiert, dass Beständigkeit Sicherheit gebe und Identität stifte. „Nicht alles, was neu ist, ist auch besser“, betont sie. Ihr Kommentar ist eine Einladung, innezuhalten und zu prüfen, ob der geforderte Wandel wirklich notwendig ist oder ob er nicht eher dazu dient, bestimmten Interessen zu dienen. Die Kolumne endet mit einem Appell, die eigene Urteilsfähigkeit zu bewahren und sich nicht blindlings dem Diktat der Veränderung zu unterwerfen.

Gesellschaftliche Relevanz

Der Beitrag von Uta Keseling trifft einen Nerv in einer Gesellschaft, die zunehmend unter dem Druck steht, sich ständig anpassen zu müssen. Ob in der Arbeitswelt, in der Digitalisierung oder im Alltag – der Ruf nach „Innovation“ und „Fortschritt“ ist allgegenwärtig. Keselings Plädoyer für mehr Gelassenheit und Respekt vor dem Bewährten könnte als Gegenentwurf zu dieser Haltung verstanden werden. Es ist ein Aufruf, den Wandel nicht als Selbstzweck zu betreiben, sondern ihn kritisch zu hinterfragen und dort zu bremsen, wo er mehr Schaden als Nutzen bringt.

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