Rassismus gegen Frankreichs Nationalspieler: Digne nach WM-Aus attackiert
Rassismus gegen Frankreichs Digne nach WM-Aus

Nach dem überraschenden Vorrunden-Aus der französischen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft ist Verteidiger Lucas Digne Ziel rassistischer Angriffe in sozialen Medien geworden. Unter dem Hashtag „Entfernt diesen Weißen aus meiner Mannschaft“ fordern rechtsextreme Nutzer den Ausschluss des Spielers, der einen Fehler im entscheidenden Spiel gegen Spanien begangen hatte. Die Attacken richten sich nicht nur gegen seine sportliche Leistung, sondern explizit gegen seine weiße Hautfarbe.

Rechtsextreme Hetze nach Patzer gegen Spanien

Digne, der für den FC Everton spielt, hatte im letzten Gruppenspiel gegen Spanien einen folgenschweren Fehler gemacht, der zum entscheidenden Gegentor führte. Frankreich verlor mit 1:2 und schied als Gruppenletzter aus. Unmittelbar danach entlud sich ein Sturm der Entrüstung in den sozialen Netzwerken. Besonders auffällig war die Beteiligung rechtsextremer Accounts, die Digne aufgrund seiner weißen Hautfarbe angriffen. „Das ist kein Zufall, dass ein Weißer uns die WM kostet“, schrieb ein Nutzer auf Twitter. Ein anderer forderte: „Entfernt diesen Weißen aus meiner Mannschaft – wir brauchen Spieler, die für Frankreich kämpfen.“

Rassismus gegen diverse Nationalmannschaft

Die französische Nationalmannschaft besteht zu einem großen Teil aus Spielern mit Migrationshintergrund oder Wurzeln in ehemaligen französischen Kolonien. Dies hat in der Vergangenheit immer wieder zu rassistischen Anfeindungen geführt, insbesondere von rechtsextremer Seite. Bereits vor der WM hatten rechtsextreme Gruppen gegen die „Überfremdung“ der Équipe Tricolore protestiert. Der aktuelle Vorfall zeigt, dass der Rassismus auch nach dem Turnier anhält. Die Spieler Kylian Mbappé, Ousmane Dembélé und Raphaël Varane, die ebenfalls Fehler machten, wurden nicht in ähnlicher Weise attackiert – was die rassistische Motivation der Angriffe auf Digne unterstreicht.

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Gesellschaftliche Debatte um Integration

Der Vorfall hat in Frankreich eine Debatte über Rassismus im Fußball und in der Gesellschaft ausgelöst. Der französische Fußballverband (FFF) verurteilte die Angriffe auf Digne scharf. „Wir stehen hinter Lucas Digne und verurteilen jede Form von Rassismus“, erklärte ein Sprecher. Auch Politiker äußerten sich bestürzt. Die Anti-Diskriminierungsorganisation SOS Racisme forderte die Justiz auf, gegen die Hetzer vorzugehen. „Diese Angriffe sind nicht nur gegen einen Spieler gerichtet, sondern gegen die gesamte Idee einer multikulturellen Nation“, sagte ein Sprecher der Organisation.

Digne selbst schweigt bisher

Lucas Digne hat sich bislang nicht öffentlich zu den Angriffen geäußert. Sein Verein FC Everton zeigte sich solidarisch und bot dem Spieler psychologische Unterstützung an. Die französische Nationalmannschaft reiste bereits nach dem Aus nach Hause zurück. Trainer Didier Deschamps, der ebenfalls Kritik einstecken musste, verteidigte Digne: „Er ist ein hervorragender Spieler und ein guter Mensch. Fehler passieren im Fußball. Die rassistischen Angriffe sind beschämend.“

Zunahme von Online-Hass

Experten beobachten eine Zunahme von rassistischer Hetze im Internet, insbesondere nach sportlichen Niederlagen. Der Soziologe Stéphane Beaud von der Universität Paris-Nanterre erklärte: „Der Fußball wird zunehmend als Bühne für politische und rassistische Agenden missbraucht. Die Täter fühlen sich durch die Anonymität des Netzes ermutigt.“ Die Plattform Twitter hatte nach dem Vorfall mehrere Accounts gesperrt, die zu Hass aufgerufen hatten. Dennoch bleibt die Frage, wie solche Angriffe wirksam bekämpft werden können.

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