Unions-Fraktionschef Jens Spahn (46, CDU) gerät wegen der Geburt seines Kindes durch eine Leihmutter in den USA zunehmend unter Druck. Der CDU-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern fordert seinen Rücktritt – der erste Landesverband, der dies öffentlich verlangt. Der Vorsitzende Daniel Peters (44) erklärte gegenüber BILD: „Jens Spahn hat als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion eine besondere Vorbildfunktion innerhalb der Union. Mit einer Leihmutterschaft in den USA hat Spahn sich in voller Absicht über in Deutschland geltendes Recht hinweggesetzt.“
Daniel Peters: Spahn nicht mehr tragbar
Peters, der auch Mitglied im CDU-Bundesvorstand ist, betonte: „Die CDU steht für Glaubwürdigkeit und Klarheit, gerade in ethisch sensiblen Fragen. Jens Spahn ist als Vorsitzender der Unionsfraktion nicht mehr tragbar und muss zurücktreten.“ Er spricht damit offen aus, was in der Partei von Kiel bis Stuttgart brodelt: Ein Spitzenpolitiker und Ex-Gesundheitsminister, der deutsches Recht umgeht und im Ausland eine Leihmutter ein Kind austragen lässt. Die Kritik schwappt von der Basis über die Landesverbände bis in die Bundestagsbüros und die CDU-Zentrale.
Merz unter Druck: Kanzler muss Spahn-Problem klären
Alle Blicke richten sich auf Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz (70). Aus der Schwesterpartei CSU kommt das Signal: Das Problem muss Merz jetzt klären. Merz ließ am Donnerstagabend über seinen Regierungssprecher mitteilen: „Ich bin bereits am letzten Freitag von Jens Spahn darüber informiert worden, dass er und sein Mann Eltern werden. Ich habe ihm dazu gratuliert.“ Was Merz nicht sagte: Ob er die politische Brisanz des Themas einer Auslands-Leihmutterschaft für einen christdemokratischen Spitzenpolitiker erkannt und mit Spahn erörtert hat. Nach BILD-Informationen ist darüber zumindest gesprochen worden.
Rücktrittsforderung auch aus der Frauen Union
Der Druck auf Spahn wächst. Bundestagsabgeordnete berichten von Entsetzen an der Basis und wütenden E-Mails von CDU-Mitgliedern. Selbst Freunde gehen auf Distanz. Alexander Räuscher (55, CDU), Mitglied des Landtages Sachsen-Anhalt, übt öffentlich Kritik: „Ich verstehe jede Familie und auch jede Patchworkfamilie mit einem Kinderwunsch. Doch bevor nicht allen Kindern, die hier bei uns in Not sind und die eine Familie brauchen, in Pflege genommen oder adoptiert werden, finde ich den Ruf nach der sogenannten Leihmutterschaft falsch. Ich finde das auch moralisch falsch.“
Auch die Frauen Union in Mecklenburg-Vorpommern fordert Spahns Rücktritt. Landesvorsitzende Chris Günther erklärte: „Um weiteren Schaden von der Union abzuwenden und die Glaubwürdigkeit unseres familien- und gesellschaftspolitischen Kompasses vollständig zu wahren, fordere ich als Landesvorsitzende der Frauen Union der CDU M-V Jens Spahn zum Rücktritt von seinen politischen Ämtern auf.“ Die Bundesvorsitzende der Frauen Union und Gesundheitsministerin Nina Warken wollte sich nicht öffentlich äußern. Ihr Sprecher beantwortete eine BILD-Anfrage zur Leihmutterschaft nicht.



