Mit der Herstellung eines meterlangen Seils in Regenbogenfarben hat die Hamburger Reeperbahn ein sichtbares Zeichen für Vielfalt und Diversität gesetzt. Die Aktion fand anlässlich des 400-jährigen Bestehens des berühmten Kiez sowie der Hamburger Pride-Woche statt, die am kommenden Wochenende mit dem Christopher Street Day (CSD) ihren Höhepunkt erreicht.
Historische Handwerkskunst auf dem Kiez
Unter dem Motto „Das längste Regenbogenseil der Welt“ konnten Anwohner, Besucher und Kulturschaffende eine alte Handwerkskunst erlernen. Mit einer historischen Reepschläger-Maschine aus dem Hamburger Hafenmuseum wurden über den Tag verteilt mehrere sechs Meter lange Taue hergestellt, in die bunte Stränge eingewebt wurden. Die Maschine, einst in der Seilerei eingesetzt, zog viele neugierige Blicke auf sich. Teilnehmer hatten so die Möglichkeit, selbst Hand anzulegen und die Tradition des Seilherstellens hautnah zu erleben.
Solidarität nach Anschlag in Berlin
Obwohl das Projekt bereits seit Monaten geplant war, bekam die Aktion nach dem islamistisch motivierten Anschlag auf den CSD in Berlin am vergangenen Wochenende eine tiefere Bedeutung. „Es sind halt wirklich viele Leute da und auch die Passanten bleiben stehen und zeigen Interesse und auch Anteilnahme“, sagte Anna Symanczyk von der Stiftung Historische Museen in Hamburg dem dpa. Die Stimmung auf der Reeperbahn sei von besonderer Verbundenheit geprägt. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, um ihre Solidarität mit der LGBTQ+-Community zu bekunden – nicht nur durch das Mitwirken am Seil, sondern auch durch Regenbogenfahnen und bunte Kleidung.
Vom Tau zum Kunstobjekt
Am Nachmittag sollten die bunten Stränge von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern über die Reeperbahn auf die Große Freiheit getragen und dort zu einem langen Regenbogenseil verbunden werden. Die gemeinsame Aktion zog zahlreiche Schaulustige an. Ob damit tatsächlich ein Weltrekord aufgestellt wurde, sei laut Symanczyk zweitrangig: „Es geht gar nicht so sehr um die Länge, sondern eher darum, dass wir mit der Aktion den Zusammenhalt demonstrieren.“ Nach dem feierlichen Umzug werde das Regenbogentau in die Sammlung der Stiftung Historische Museen aufgenommen und dort als Zeugnis der Hamburger Geschichte und des gesellschaftlichen Engagements ausgestellt.
Ein Zeichen für Toleranz und Miteinander
Die Aktion auf der Reeperbahn reiht sich in eine Vielzahl von Veranstaltungen der Hamburger Pride-Woche ein. Mit dem symbolträchtigen Regenbogenseil wolle man nicht nur ein buntes Highlight setzen, sondern auch zeigen, dass Hamburg für Offenheit und Respekt stehe. Die Verbindung von historischem Handwerk und moderner Pride-Bewegung mache das Projekt besonders, so die Veranstalter. Das Seil werde künftig an die Kraft der Gemeinschaft erinnern – und daran, dass Vielfalt gefeiert werden müsse, gerade in Zeiten, in denen solche Werte angegriffen würden.



