Wirtschaftsweise Monika Schnitzer warnt vor Kürzungen beim Elterngeld
Die Vorsitzende des Sachverständigenrats, Monika Schnitzer, hat sich in einem Gespräch mit unserer Redaktion klar gegen geplante Einschnitte beim Elterngeld ausgesprochen. „Ich verstehe diese Diskussion überhaupt nicht“, sagte die Top-Ökonomin mit Blick auf die Sparüberlegungen der Bundesregierung. Zugleich unterstützt sie eine stärkere Beteiligung von Vätern an der Elternzeit und verweist auf Schweden als Vorbild.
Bundesregierung berät über Veränderungen
Familienministerin Karin Prien (CDU) hatte vorgeschlagen, den Bezug des Elterngeldes stärker an eine gleichmäßige Aufteilung zwischen Müttern und Vätern zu koppeln. In der Koalition wird angesichts des Sparkurses erneut über Änderungen diskutiert. Schnitzer hält grundsätzlich eine partnerschaftliche Aufteilung für sinnvoll, warnt aber vor Kürzungen: „Dieses Erfolgsmodell weiter auszuhöhlen, wäre ein Fehler.“
Schweden als Vorbild für mehr Vätermonate
In Schweden habe eine Regelung mit verpflichtenden Vätermonaten dazu geführt, dass sich mehr Väter an der Elternzeit beteiligten und Arbeitgeber sich darauf eingestellt hätten. „Davon sind wir in Deutschland noch weit entfernt. Eine partnerschaftliche Aufteilung wäre deshalb zu begrüßen“, so Schnitzer. Das Elterngeld habe seit seiner Einführung einen grundlegenden Kulturwandel ausgelöst. Früher hätten Frauen nur die Wahl zwischen mehreren Jahren unbezahlter Elternzeit oder einem schnellen Wiedereinstieg. Heute kehrten viele nach etwa einem Jahr – häufig zunächst in Teilzeit – in den Beruf zurück. „Das hat die Erwerbsbiografien von Frauen nachhaltig verändert.“
Schnitzer plädiert für Erhöhung statt Kürzung
Statt das Elterngeld zu kürzen, fordert die Wirtschaftsweise sogar eine Erhöhung. „Inflationsbereinigt ist die Leistung deutlich gesunken. Eine Erhöhung wäre aus meiner Sicht der richtige Schritt“, sagte sie. Die Diskussion über Sparmaßnahmen beim Elterngeld sei „familienpolitischer Unfug“. Die Bundesregierung solle das Erfolgsmodell nicht weiter aushöhlen, sondern es stärken.



