Schüsse in meiner Straße: Plötzlich denke ich über Querschläger nach
Schüsse in meiner Straße: Plötzlich denke ich über Querschläger nach

Fünf, sechs Mal knallt es, dann eine kurze Pause, dann wieder laute Geräusche. Durch ihre offene Balkontür hört unsere Autorin Schüsse. Die Gewalt im Kreuzberger Kiez verändert ihren Blick auf die langjährige Nachbarschaft. Von Denise Korb

Die plötzliche Erkenntnis

Mein Freund Dino weiß, wie Schüsse klingen. Er hat als Jugendlicher Anfang der Neunziger die serbische Belagerung von Sarajevo überlebt. Damals war er in einer völlig anderen Welt, fernab von Berlin. Doch heute, in meiner eigenen Straße, werde ich mit einer ähnlichen Realität konfrontiert. Die Geräusche, die ich höre, sind nicht mehr nur abstrakte Begriffe aus den Nachrichten. Sie sind real, sie sind nah, sie sind beängstigend.

Die Veränderung des Kiezes

Kreuzberg war schon immer ein lebendiger, bunter Bezirk. Ich lebe hier seit vielen Jahren und habe die Nachbarschaft lieben gelernt. Doch in letzter Zeit hat sich etwas verändert. Die Schüsse, die ich höre, sind nicht die einzigen Anzeichen für eine zunehmende Gewalt. Auch die Polizeipräsenz hat zugenommen, und ich höre immer häufiger von Überfällen und Auseinandersetzungen in der Umgebung. Es ist, als ob die Sicherheit, die ich früher selbstverständlich fand, langsam bröckelt.

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Die Gedanken an Querschläger

Plötzlich denke ich über Dinge nach, die mir vorher nie in den Sinn gekommen wären. Querschläger zum Beispiel – Kugeln, die von harten Oberflächen abprallen und unberechenbare Bahnen nehmen. Was wäre, wenn eine solche Kugel durch mein Fenster fliegt? Diese Gedanken sind neu und verstörend. Sie zeigen, wie sehr mich die Ereignisse in meiner Umgebung beeinflussen.

Die Auswirkungen auf das tägliche Leben

Die Angst hat Einzug in meinen Alltag gehalten. Ich schließe nun häufiger die Balkontür, selbst an warmen Tagen. Ich meide bestimmte Straßen und Gegenden, die ich früher ohne Bedenken durchquert habe. Die Nachbarschaft, die einst ein Ort der Geborgenheit war, ist nun auch ein Ort der Vorsicht. Ich frage mich, ob andere Bewohner ähnliche Erfahrungen machen und wie sie damit umgehen.

Ein Appell für mehr Sicherheit

Die Situation in Kreuzberg ist nicht einzigartig. In vielen Städten Deutschlands nehmen Gewalttaten zu. Es ist wichtig, dass wir als Gesellschaft darüber sprechen und nach Lösungen suchen. Mehr Polizeipräsenz allein wird nicht reichen. Wir brauchen auch soziale Programme, die Jugendliche von der Straße holen und ihnen Perspektiven bieten. Nur so können wir langfristig die Sicherheit in unseren Kiezen wiederherstellen.

Fazit

Die Schüsse in meiner Straße haben mich wachgerüttelt. Sie haben mir gezeigt, wie verletzlich wir sind und wie schnell sich unsere Wahrnehmung von Sicherheit ändern kann. Ich hoffe, dass dieser Vorfall nicht in Vergessenheit gerät, sondern als Weckruf dient. Denn nur wenn wir uns der Probleme bewusst sind, können wir sie angehen.

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