Fall Fernandes: 250 Frauen fordern härtere Regeln gegen sexualisierte Gewalt
Fall Fernandes: 250 Frauen fordern härtere Regeln gegen sexualisierte Gewalt

Der Fall Collien Fernandes hat eine breite Debatte über digitale sexualisierte Gewalt ausgelöst. Mehr als 250 bekannte Frauen aus Politik, Wirtschaft und Kultur haben einen Zehn-Punkte-Forderungskatalog an die Bundesregierung unterzeichnet. Initiiert wurde das Papier von der Grünen-Politikerin Ricarda Lang sowie den Aktivistinnen Kristina Lunz und Düzen Tekkal.

Kernforderung ist die strafrechtliche Verfolgung von sexualisierten Deepfakes, die ohne Einwilligung erstellt und verbreitet werden. Zudem fordern die Unterzeichnerinnen ein Verbot von sogenannten Nudify-Apps, mit denen solche gefälschten Sexbilder erstellt werden können. Internetplattformen sollen verpflichtet werden, derartige Inhalte schnell zu entfernen, und Betroffene sollen klare Rechtsansprüche auf Löschung, Auskunft und Identifizierung der Täter erhalten.

Die Forderungen gehen über den digitalen Raum hinaus. So wird die Verankerung der „Ja heißt Ja“-Regelung im Sexualstrafrecht gefordert, wonach jede sexuelle Handlung ohne ausdrückliche Einwilligung strafbar wäre. Eine solche Regelung gilt unter anderem in Spanien. Zudem wird eine nationale Strategie zur Bekämpfung männlicher Gewalt mit einer zentralen Koordinierungsstelle, klaren Zielen und dauerhafter Finanzierung verlangt.

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Hintergrund der Initiative sind die Vorwürfe der Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen. Sie wirft ihm vor, über Jahre hinweg Fake-Profile und Deepfake-Pornos von ihr im Internet verbreitet zu haben. Ende 2025 erstattete Fernandes Anzeige in Spanien, wo das Paar zuletzt lebte. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung; sein Anwalt bezeichnete die Berichterstattung als rechtswidrig.

Die Initiatorinnen zeigten sich in der Einleitung des Forderungskatalogs entsetzt über die „abscheuliche Gewalt“, die Fernandes öffentlich gemacht habe. „Die Straflosigkeit männlicher Gewalt muss ein Ende haben“, heißt es. Lang betonte, der Fall Fernandes sei kein Einzelfall: „Soziale Medien und neue Technologien wie KI bieten neue Möglichkeiten, um Frauen im Netz bloßzustellen und zu unterdrücken.“

Am Sonntag demonstrierten in Berlin Tausende unter dem Motto „Gegen sexualisierte digitale Gewalt – Solidarität mit allen Opfern“ am Brandenburger Tor. Die Kundgebung fand nach Veranstalterangaben in Solidarität mit Fernandes statt.

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