Ob überlastetes Internet oder einfach die Sehnsucht nach analogem Vergnügen: Mit den richtigen Spielen werden Stunden im ICE kurzweilig. Die Autorin Maren Hoffmann stellt acht kompakte Spiele vor, die wenig wiegen, aber viel Spaß bringen – und sogar neue Kontakte fördern können.
„Cross Words“: Wortschatzsuche am Vierertisch
„Gelbflossenthunfisch!“ tönt es aus der Nachbarsitzreihe. Mein Gegenüber im ICE strahlt – und trägt das zugerufene, schön lange Wort auf seinem Kreuzwortbogen ein. Mist! Ich hatte nur einen kümmerlichen Blauwal. So beschreibt Hoffmann den Beginn einer Partie „Cross Words“. Das Spiel kommt in einer mittelgroßen Schachtel mit Papierblöcken, auf denen ein Scrabble-artiges Raster abgebildet ist. Aufgabenkarten geben zwei Kategorien vor, etwa „Tiere, die eine Farbe im Namen haben“ oder „Rebsorte“. Alle Spieler tragen gleichzeitig einen passenden Begriff in ihr Raster ein, wobei die Wörter mit den vorherigen verbunden sein müssen.
Für die Reise laminierte Hoffmann einfach ein paar Blätter, packte die Karten in eine Ziplock-Tüte und nahm abwischbare Folienstifte mit. „Fertig war das Reisespiel!“ Obwohl die Gruppe leise spielte, halfen am Ende Umsitzende gut gelaunt bei der Wortsuche. Eine kleine Sanduhr liegt bei, muss aber nicht genutzt werden. Das Spiel von David Mair ist für zwei bis sechs Personen ab zehn Jahren geeignet und dauert rund 45 Minuten.
„Dust Biters“: 43 Gramm schweres Kartenduell
Ein elfjähriger Mitreisender spielte „Cross Words“ freundlich mit, doch seine wahre Leidenschaft galt einem anderen Spiel: „Dust Biters“. Ohne Schachtel wiegt es gerade einmal 43 Gramm und passt in einen Briefumschlag. Es ist ein Kartenduell mit Monstertrucks, die als Kolonne durch eine imaginäre Wüste fahren. Jedes Fahrzeug hat Fähigkeiten, die gegnerische Fahrzeuge vernichten oder eigene mächtiger machen. Zu Beginn hat jeder vier Trucks auf dem Tisch. Pro Zug hat man drei Aktionen: Fahrzeuge ausspielen, bewegen, nachziehen oder Fähigkeiten aktivieren. Danach wird das letzte Auto der Kolonne abgeräumt – verschluckt vom Wüstenstaub. Gespielt wird, bis nur noch eine Person Autos hat.
Das Spiel von Robbie Fraser, Jan Willem Nijman und Terri Vellmann ist für zwei Personen ab neun Jahren und dauert zehn bis fünfzehn Minuten. Hoffmann berichtet: „Der Elfjährige musste schlucken, als ich gleich in der ersten Runde mit meinem Quetscher seine Greiferkarre vernichtete, aber er gab nicht auf. In der nächsten Partie schlug er gnadenlos zu und fegte mich vom Platz. Wir hatten einen Heidenspaß.“
„Collect!“: Mein Krokodil frisst dein Chamäleon
Auch Nicht-Spieler lassen sich mit diesem schnellen Kartenspiel ködern, schon wegen der hübschen Optik: Acht lustige Tierarten mit Glitzereffekten, jedes individuell gezeichnet. In der Tischmitte liegen zwei Stapel. Wer dran ist, deckt eine Karte auf und entscheidet: Nehme ich die oder decke ich lieber eine andere auf? Die genommene Karte wird links oder rechts an der eigenen Auslage angebaut. Hat man vier Tiere derselben Art nebeneinander, gewinnt man die Runde. Jedes Tier hat eine Fähigkeit: Der Löwe schenkt den Sieg bei sieben verschiedenen Arten, der Oktopus benötigt drei Paare; der Affe tauscht Karten, das Krokodil frisst eine andere Karte, das Chamäleon fungiert als Joker. Das Spiel von Jérémy Ducret und Johannes Goupyx ist für zwei bis fünf Personen ab acht Jahren und dauert rund 15 Minuten.
„Bring your own Book“: Lektüre-Recycling als kreatives Spiel
Als Reiseprofi hat man immer ein Buch dabei. Ist es ausgelesen, lässt es sich mit diesem Spiel nachnutzen: Jeder sucht aus seinem Buch ein passendes Zitat für die jeweilige Aufgabe – gern aus dem Zusammenhang gerissen. Aufgaben wie „Etwas, das alle denken, aber keiner zu sagen wagt“ oder „Etwas, das klingt wie der Name einer zwielichtigen Taverne“ finden sich in Goethes Faust („Heinrich, mir graut vor dir“) oder im Mumintal („Für Leute, die nur durch die Gegend rennen und kindische Fragen stellen, haben wir keine Zeit“). Der Vorleser entscheidet, welches Zitat am besten passt, und der Zitierende erhält die Fragekarte. Wer zuerst eine festgelegte Anzahl Karten hat, gewinnt. Die Neuauflage des Spiels von 2015 ist überraschend kurzweilig. Fehlt ein Buch, tut es auch der aktuelle SPIEGEL oder die Speisekarte des Bordbistros. Das Spiel von Matthew Moore ist für drei bis acht Personen ab zwölf Jahren und dauert rund 20 Minuten.
„Into the Dungeon“: Pfiffige Knobelei für Solo-Spieler
Findet man selbst in einem voll besetzten ICE keine Mitspieler, kann man „Into the Dungeon“ aus der Handtasche ziehen. 200 Level steigender Schwierigkeit sind in der kleinen Dose enthalten. Mit Legeteilen muss ein Weg zu Schatzkisten, Kronen oder Edelsteinen gefunden werden. Anfangs sind nur wenige Teile nötig, später bis zu sechs. Die angegebenen fünf Minuten Spielzeit reichen dann oft nicht. Bei Bedarf kann die Lösung nachgeschlagen werden. Das Spiel von Andrea Mainini ist für eine Person ab acht Jahren (und beliebig viele Berater) gedacht und dauert rund fünf Minuten.
„Happy Double“: Riskant, riskant!
„Push your Luck“ heißt der Mechanismus: Wer zu wenig riskiert, kann nicht gewinnen, wer den Hals nicht vollkriegt, setzt das Erreichte aufs Spiel. Mit zwei zwölfseitigen Würfeln wird gewürfelt. Das höhere Ergebnis wird in die aktuelle Rundenzeile des eigenen Blatts eingetragen. Man kann jederzeit aussteigen oder weiterwürfeln. Sobald sich eine Zahl wiederholt, ist man raus und beendet die Runde punktelos. Ein Pasch bringt Aktionskarten mit Belohnungen oder Fiesheiten. Eulensymbole schützen vor Nullrunden – zwei Eulen sind der Hauptgewinn. Das Spiel kommt mit einer schallgedämpften Würfelunterlage. Hoffmann empfiehlt, die Bögen zu laminieren, dann passt noch ein weiteres Spiel in die Schachtel. Das Spiel ohne Autorenangabe ist für zwei Personen ab acht Jahren und dauert rund 20 Minuten.
„Auf die Eier“: Bratpfanne steht bereit
Dieses winzige Spiel besteht aus neun Würfeln mit Symbolen wie Bratpfanne, Kochtopf, Eier, Hühner und faulen Eiern. Gute Eier müssen in Topf oder Pfanne, Hühner sammeln Punkte, faule Eier kosten welche. Bis zu dreimal darf man würfeln, um eine gute Kombination zu erzielen. Faule Eier werden am Ende noch einmal geworfen. Das Spiel ist schnell gelernt und auch für kleinere Kinder geeignet. Aus der gleichen Serie gibt es „Gold“ (Gedächtnisspiel) und „Auf die Nüsse“ (turbulent, aber weniger zugtauglich). Das Spiel von Udo Peise ist für zwei bis fünf Personen ab acht Jahren und dauert rund 15 Minuten.
„Oh, my Socks!“: Warum hab’ ich nur drei Socken?
Das Spiel geht dem metaphysischen Rätsel einsamer Socken auf den Grund: Mitspieler klauen die besten Socken und spielen untaugliche Einzelfüßlinge aus. Gesammelt werden möglichst viele punkteträchtige Sockenpaare, bis die Waschmaschinenkarte aufgedeckt wird. Wer dran ist, zieht zwei Karten: eine kommt in die eigene Sammlung und löst Effekte aus (Socke stehlen, überflüssige Socke loswerden), die andere wird weitergereicht. Ein klassisches Ärgerspiel mit viel Interaktion. Das Spiel von Antoine Bauza und Théo Rivière ist für zwei bis fünf Personen ab sechs Jahren und dauert 15 bis 20 Minuten.



