Stade-Tötungen: Anwältin sieht erschreckend alltägliches Muster
Stade-Tötungen: Anwältin sieht alltägliches Muster

Sechs Tote in Stade: Ein erschreckend alltägliches Muster

Sechs Menschen, die einem Baby helfen wollten, ein gewaltfreies und normales Leben zu führen, sind tot. Erschossen. Der mutmaßliche Täter ist der Vater des Kindes. Der drei Monate alte Säugling und seine Mutter überlebten. Die Tat ereignete sich am Montag in Stade, in einer Einrichtung, die Mütter und Kinder aus schwierigen familiären Umständen betreut. Die Rechtsanwältin Asha Hedayati, die Frauen vertritt, die sich gegen häusliche Gewalt wehren, erkennt in diesem Verbrechen ein erschreckend alltägliches Muster.

„Warum glaubt er, dass er das Recht dazu hat – das Recht zu töten?“

Hedayati stellt die zentrale Frage: „Warum glaubt er, dass er das Recht dazu hat – das Recht zu töten?“ Sie betont, dass solche Taten oft aus einem Gefühl von Besitzanspruch und Kontrollverlust resultieren. Der Täter habe offenbar nicht akzeptieren können, dass die Mutter und das Kind in einer geschützten Einrichtung leben, fernab seiner Gewalt. Die Anwältin sieht Parallelen zu vielen Fällen häuslicher Gewalt, bei denen Männer ihre Partnerinnen und Kinder als Eigentum betrachten.

Die Einrichtung in Stade, in der die Opfer lebten, ist eine Schutzeinrichtung für Mütter und Kinder. Sie sollten dort Sicherheit und Unterstützung finden, um ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen. Doch der Vater des Kindes drang ein und tötete sechs Menschen, darunter vermutlich auch Mitarbeiter der Einrichtung. Hedayati betont, dass solche Taten nicht aus heiterem Himmel geschehen, sondern oft eine Vorgeschichte von Drohungen und Gewalt haben.

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Häusliche Gewalt als gesellschaftliches Problem

Die Anwältin kritisiert, dass die Gesellschaft häusliche Gewalt oft verharmlost oder als Privatangelegenheit betrachtet. Dabei sei sie ein strukturelles Problem, das Frauen und Kinder in akute Lebensgefahr bringe. „Wir müssen endlich verstehen, dass Gewalt in Beziehungen kein normaler Konflikt ist, sondern ein Verbrechen“, so Hedayati. Sie fordert mehr Schutzmaßnahmen und eine konsequentere Strafverfolgung von Tätern.

Nach Angaben des Bundeskriminalamts wurden 2023 in Deutschland rund 240.000 Fälle häuslicher Gewalt registriert, ein Anstieg von über 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Dunkelziffer liegt vermutlich weit höher. Jeden dritten Tag tötet ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin. Die Tat von Stade reiht sich ein in eine traurige Statistik, die zeigt, dass Schutzräume nicht immer sicher sind.

Die Polizei ermittelt nun gegen den mutmaßlichen Täter, der nach der Tat festgenommen wurde. Die Hintergründe sind noch nicht vollständig geklärt. Hedayati hofft, dass der Fall ein Umdenken bewirkt: „Wir müssen Täter ernst nehmen und ihnen klar machen, dass Gewalt keine Lösung ist. Und wir müssen Opfern besser helfen, bevor es zu spät ist.“

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