In Thüringen soll eine Beratungsstelle für Betroffene sexualisierter Gewalt im digitalen Raum geschaffen werden. Dies sieht ein Maßnahmenplan vor, den Sozial-Staatssekretärin Tina Rudolph und Gleichstellungsbeauftragte Nadja Sthamer in Erfurt vorstellten. Bislang gibt es eine solche Einrichtung im Freistaat nicht; sie soll an bestehende Strukturen angegliedert werden.
Rudolph erklärte, digitale Gewalt umfasse Hass und Hetze im Netz, die Veröffentlichung intimer Aufnahmen ohne Zustimmung sowie digitales Stalking durch Ex-Partner. Dies dürfe nicht geduldet werden, Betroffene müssten besser geschützt werden. Sie betonte, dass vor allem Frauen und Mädchen betroffen seien: Bis zu 60 Prozent der 16- bis 24-jährigen Frauen seien mit digitaler Gewalt konfrontiert.
Der Maßnahmenplan sieht vor, dass Beratungsstellen Endgeräte ausleihen können, wenn diese mit Spyware infiziert oder von Ermittlern sichergestellt wurden. Zudem setzt der Plan auf Fortbildungen bei der Kriminalpolizei und Präventionsmaßnahmen wie Sicherheitschecks für digitale Geräte, Bildungsarbeit und täterbezogene Studien.
Gleichstellungsbeauftragte Sthamer betonte die Notwendigkeit, Mitarbeiter in Frauenhäusern zu schulen, damit sie Betroffene an spezialisierte Hilfe verweisen können. Sie berichtete von Fällen, in denen Täter Trackinggeräte in Kuscheltiere einbauten oder Handys mit Spyware kaperten. Der Plan sehe auch standardisierte Sicherheitschecks für Smartphones vor und einen Kapazitätsaufbau bei IT-forensischen Kompetenzen in Polizeibehörden.
Lena Saniye Güngör, gesundheitspolitische Sprecherin der Linke-Fraktion, begrüßte den Maßnahmenplan. Sie forderte die Landesregierung auf, sich auf Bundesebene für Gesetzesänderungen einzusetzen, die Plattformen in die Pflicht nehmen und digitale geschlechtsspezifische Gewalt in den Fokus rücken.



