Unwetter in Sächsischer Schweiz: Toter und zerstörte Wander-Oase
Toter bei Unwetter in Sächsischer Schweiz - Oase zerstört

Rathen (Sachsen) – Ein heftiges Gewitter hat am Freitagabend in der Sächsischen Schweiz eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Ein 28 Jahre alter Mann wurde auf dem Basteiweg von einem umstürzenden Baum getroffen und erlag noch an der Unglücksstelle seinen Verletzungen. Drei weitere Menschen wurden schwer verletzt, zehn Personen mussten medizinisch versorgt werden. Rund 40 Menschen wurden von Einsatzkräften in Sicherheit gebracht.

Besonders betroffen ist der idyllische Amselsee in Rathen, ein beliebtes Ziel für Wanderer und Tagesausflügler. Die Gewitterzelle traf das Tal mit voller Wucht: Meterhohe Holzberge, zersplitterte Äste und umgestürzte Bäume blockieren die Uferwege. Die Wanderrast und der Bootsverleih von TV-Köchin Verena Leister (33), bekannt aus der Kochshow „The Taste", wurden unter gewaltigen Baumstämmen begraben.

Wander-Oase von TV-Köchin Verena Leister schwer beschädigt

Was am Freitagmittag noch wie ein Postkartenmotiv wirkte – Sonnenschein, Boote auf dem glitzernden Wasser, entspannte Gäste – präsentierte sich nur wenige Stunden später als Trümmerlandschaft. Die Imbisshütte ist kaum noch zu erkennen, Stege sind zerborsten, und zwischen den Stämmen ragen nur noch Teile des Bootsverleihs hervor. Verena Leister teilte auf Instagram Fotos der Zerstörung und schrieb dazu: „Heute fehlen uns die Worte."

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Gegenüber BILD sprach die gelernte Köchin von einer „unvorstellbaren Zerstörung". Die Lage sei dramatisch: „Wir müssen damit rechnen, dass wir unsere Wanderrast und den Bootsverleih in dieser Saison sehr wahrscheinlich nicht mehr öffnen können." Ausgerechnet in der Hochsaison droht damit ein vorzeitiges Aus für das beliebte Ausflugslokal.

Hilfsangebote: Zu gefährlich für freiwillige Helfer

Die Anteilnahme in der Region ist riesig. Zahlreiche Gäste und Stammkunden meldeten sich nach den ersten Bildern und boten ihre Hilfe beim Aufräumen an. Doch Leister muss die Unterstützung dankend ablehnen. Die umgestürzten Bäume stehen unter enormer Spannung, sind ineinander verkeilt und könnten jederzeit nachgeben. „Alles andere wäre lebensgefährlich", warnt die Betreiberin. Die gefährlichen Aufräumarbeiten dürfen nur von Spezialfirmen mit schwerem Forstgerät durchgeführt werden.

Auch Rathens Bürgermeister Roman Rolof (Freie Wähler) sprach angesichts der Lage von einem „Bild der Verwüstung". Die Schäden rund um den Amselsee und die Felsformation der Schwedenlöcher seien enorm. Die gesamte Region kämpfe mit den Folgen des Unwetters.

Ministerpräsident Kretschmer besucht Unglücksort

Am Tag nach dem schweren Gewitter machte sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) persönlich ein Bild von der Lage in Rathen. „Die Sächsische Schweiz liegt mir sehr am Herzen. Ich leide mit den Menschen", sagte der 51-Jährige in der Kleinstadt. Er sei in Gedanken bei dem Mann, der ums Leben kam, und dessen Familie: „Das tut schon weh, das zu erleben, und jeder von uns weiß auch, wo diese Stelle gewesen ist und wie das gewesen sein muss. Das ist sehr, sehr tragisch."

Die Gewitterfront sorgte nicht nur am Amselsee für Chaos. Auch die benachbarte Miniaturwelt „Eisenbahnwelten Rathen" wurde schwer getroffen. Das Team berichtete auf Facebook von erheblichen Schäden an der Anlage. Immerhin eine gute Nachricht: „Es wurde glücklicherweise niemand aus unserem Team verletzt. Auch unsere Gäste waren nicht betroffen, da die Anlage zum Zeitpunkt des Unwetters bereits geschlossen war." Die Betreiber zeigen sich kämpferisch und hoffen, ihre Anlage schon bald wieder öffnen zu können.

Betretungsverbot für Waldgebiete verhängt

Angesichts der einstürzungsgefährdeten Bäume und instabilen Hänge hat Sachsenforst ein striktes Betretungsverbot für die betroffenen Waldgebiete rund um den Amselgrund verhängt. Das Verbot gilt zwischen Bastei, Rathen, Hohnstein und dem Polenztal. Forstexperten warnen vor akuter Lebensgefahr durch umgestürzte Bäume, lose Äste und nachgebende Waldflächen. Wanderer werden dringend gebeten, die Absperrungen zu respektieren – das Risiko für weitere Unglücke ist derzeit einfach zu groß.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Die Behörden haben damit begonnen, die Schäden zu kartieren und die Wege zu sichern. Wie lange die Sperrungen andauern und wann der Amselgrund wieder gefahrlos besucht werden kann, ist derzeit offen. Für die betroffenen Gastronomen, Bootsverleiher und Freizeitbetriebe bleibt die Lage jedenfalls existenzbedrohlich – und die Saison ist noch nicht vorbei.