Hallervorden sorgt mit CDU-Wahlkampfauftritten für Unruhe
Hallervorden sorgt mit CDU-Wahlkampfauftritten für Unruhe

„Helfen Sie mir, dass dieser müde, öde, langweilige Albtraum niemals Wirklichkeit wird“, sagt Dieter Hallervorden in die Runde – und spricht damit von einer Landesregierung der AfD in Sachsen-Anhalt. Der 90-jährige Schauspieler und Kabarettist unterstützt CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze im Wahlkampf. Einen Monat vor der Landtagswahl liegt die AfD in Umfragen bei rund 40 Prozent und damit nahe einer absoluten Mehrheit.

Hallervorden, der in Dessau und Quedlinburg aufwuchs, tritt in diesen Tagen in mehreren Städten des Bundeslandes auf. Die Formate tragen den Titel „Kultur braucht Freiheit“ und sind als Gespräch zwischen ihm, Schulze und einer Moderatorin angelegt. Themen sind Freiheit, Demokratie, Kunst, Meinungsfreiheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Die Nachfrage nach den Terminen ist groß.

„Kriegsminister“ und ein Appell an Merz

Für Unruhe sorgt vor allem Hallervordens Gesangseinlage. Darin nennt er Verteidigungsminister Boris Pistorius einen „Kriegsminister“. Untermalt von Panzerbildern und Bildern fallender Weltkriegsbomben, die er als Kind selbst erlebte, singt er: „Hallo, Herr Kriegsminister, Sie haben meinen Sohn gebeten, im Krieg für Sie zu töten. Marschieren Sie eigentlich selber mit? Wem nützen Kampfmaschinen, Zerstörung und Ruinen? Nur denen, die verdienen. Am Ende geht’s um Kohle, Frieden bringt ja nichts ein. Herr Merz, wenn Ihr glaubt, dass Krieg sich lohnt, kämpft gefälligst auf dem Mond.“

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Die Hintergründe des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine blendet der Künstler dabei völlig aus. In Halle sagte er außerdem: „Ich würde, wenn das hier Bundesebene wäre, für Friedrich Merz keine Reklame machen, das ist hier bei Sven anders.“ Damit macht er deutlich, dass seine Loyalität Schulze gilt, nicht jedoch der Bundespartei.

Schulze verteidigt die ungewöhnliche Allianz

Schulze selbst sieht in den Auftritten eine Stärkung der Demokratie. Gegenüber „Focus Online“ erklärte er: „Natürlich sind wir nicht bei jedem Thema einer Meinung. Dieter Hallervorden hat gesagt: ‚Ich will dich gern unterstützen.’ Er hat gesagt, er lässt sich aber nicht vorschreiben, was er hier vorträgt. Und ich habe gesagt: ‚Ich werde natürlich nicht reinreden, was du vorträgst.’“

Der CDU-Mann will mit dem Format bewusst ein Gegenmodell setzen – und bezog sich dabei auf AfD-Veranstaltungen, „wo sie alle dem Siegmund huldigen“. Damit meint er Ulrich Siegmund, den Spitzenkandidaten der AfD in Sachsen-Anhalt. Schon in Magdeburg hatte Schulze gesagt: „Kann der denn eine Veranstaltung machen, wo der Dieter Hallervorden denn so ein Lied singt? Ich sage ja, weil das ist eigentlich das, was ich mir vorstelle. Ich möchte kein Land haben und kein Land regieren als Ministerpräsident, wo ich das Gefühl habe, hoffentlich sprechen sie alle das, was ich sage. Sondern ich möchte schon auch Gegenrede haben.“

Bundes-CDU distanziert sich

Die neue CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann stellte gegenüber „Bild“ klar: „Für die CDU Deutschlands ist ganz klar: Es gibt keinen Völkermord in Gaza, wir stehen an der Seite Israels und der Ukraine im Kampf gegen den Terror und Aggression.“ Weiter sagte sie: „Wir stehen für Freiheit und wollen uns verteidigen können, damit wir es nicht müssen. Daran wird sich nichts ändern. Wir stehen zur Meinungs- und Kunstfreiheit, doch auch hier gibt es Grenzen – mindestens aber muss die Kunst mit deutlichem Widerspruch leben.“

Auch die CDU-Politikerin Serap Güler, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, kritisierte die Auftritte scharf. „Als ‚Wessi’ will ich keine Ratschläge geben, wie man im Osten Wahlkampf in einer extrem schwierigen Lage macht. Als Christdemokratin bin ich allerdings der Überzeugung, dass diese Art in jeder Himmelsrichtung die falsche ist“, schrieb sie auf X.

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Der CDU-Landesverband verteidigte das Konzept: „Die Veranstaltung war bewusst als Gesprächsformat angelegt. Sie sollte zeigen, dass Menschen trotz unterschiedlicher Auffassungen respektvoll miteinander im Gespräch bleiben können.“ Man dürfe das Streiten nicht verlernen. Zugleich betonte der Verband, dass sich Schulze nicht jede dort geäußerte Meinung zu eigen mache. „Die politischen Positionen der CDU Sachsen-Anhalt ergeben sich aus ihren Beschlüssen und den Aussagen ihrer Verantwortungsträger und nicht aus künstlerischen Beiträgen von Gästen einer Veranstaltung.“

Tour wird fortgesetzt

Nach den Auftritten in Halle und Magdeburg in den vergangenen Tagen geht es wie geplant nächste Woche in Dessau und Naumburg weiter, teilte Generalsekretär Mario Karschunke der Deutschen Presse-Agentur mit. Für Dessau am Montag gebe es rund 600 Anmeldungen.

Kampf gegen eine absolute AfD-Mehrheit

Hallervorden mischt sich aus einem konkreten Grund ein: Er will verhindern, dass die AfD nach der Landtagswahl eine absolute Mehrheit erreicht. „Wenn SPD, Grüne und FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, kann die AfD bereits mit 40 Prozent die absolute Mehrheit erreichen. Das möchte ich unbedingt verhindern“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Gemeinsam mit anderen Kulturschaffenden wie Tatort-Schauspieler Axel Prahl und Komiker Oliver Kalkofe hat er eine Kampagne gestartet, die Wählerinnen und Wählern empfiehlt, ihre Stimme CDU, SPD, FDP, Grünen oder Linken zu geben.