Trauerandacht in der Marienkirche: Hunderte gedenken CSD-Opfer
Trauerandacht in der Marienkirche nach CSD-Anschlag

Nach dem tödlichen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin haben sich am späten Sonntagnachmittag Hunderte Menschen in der evangelischen Marienkirche zu einer Trauerandacht versammelt. Die Kirche nahe dem Brandenburger Tor war bis auf den letzten Platz gefüllt. Viele Besucher trugen noch die bunte Kleidung der Parade, andere waren in Schwarz gekommen. Immer wieder umarmten sich die Trauernden, manche weinten. Die Einladung hatte ausdrücklich alle willkommen geheißen.

Hunderte bei Trauerandacht in der Marienkirche

Die Andacht begann am späten Nachmittag und dauerte etwa eine Stunde. Neben evangelischen und katholischen Geistlichen beteiligten sich auch Vertreter muslimischer Gemeinden. Die Stimmung war geprägt von tiefer Trauer, aber auch von entschlossenem Zusammenhalt. Bereits am Samstagabend war ein Auto nach Ende der CSD-Parade in eine Menschenmenge am Tiergarten gefahren. Eine Frau kam dabei ums Leben, 29 Menschen wurden teils schwer verletzt. Die Ermittler gehen von einem islamistischen Hintergrund aus. Der mutmaßliche Täter wurde am Abend bei einem Polizeieinsatz in Berlin-Spandau getötet.

Politik zeigt Präsenz und spricht Worte der Hoffnung

In den vorderen Reihen der Kirche nahmen hochrangige Politiker Platz: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) und Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) waren gekommen, ebenso wie Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), der Leiter des Katholischen Büros Karl Jüsten und Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa. Kanzler Merz, der extra aus Paderborn angereist war, sprach vor der Kirche zu Journalisten und richtete in der Andacht Worte an die queere Community: „Wir werden alles tun, um die Freiheit unseres Landes und unserer Gesellschaft zu schützen, alles!“, sagte er. Er betonte, die Handlungs- und Bewegungsfreiheit derjenigen einzuschränken, die die Freiheit missbrauchten. An die Anwesenden appellierte er: „Stehen Sie zusammen, feiern Sie, zeigen Sie das fröhliche Gesicht unserer offenen, freiheitlichen Gesellschaft.“

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Bischof Stäblein: „Queeres Leben lassen wir uns nicht nehmen“

Der evangelische Berliner Bischof Christian Stäblein betete für alle, „die um ihr Leben ringen, um die, die um einen geliebten Menschen trauern“. Er erklärte: „Queeres Leben, das lassen wir uns nicht nehmen. Was immer der Täter habe erreichen wollen, er werde es nicht erreichen. Unser Herz werden wir schützen, so schwer das auch ist.“ Er fügte hinzu: „Vielfalt lebt im Herzen Gottes, der die Liebe ist.“ Stäblein rief die Menschen auf, beieinander zu bleiben. Auch die Muslima und Frauenrechtlerin Seyran Ates, Gründerin der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, zeigte Solidarität. Sie sagte mit Verweis auf den Koran, wenn jemand einen Menschen töte, sei es so, als habe er die ganze Menschheit getötet.

Gedenken am Brandenburger Tor

Immer wieder wurde die Andacht von Applaus unterbrochen, etwa als Stäblein den Einsatzkräften dankte. Er forderte die Gläubigen auf, nach vorne zu kommen und eine Kerze anzuzünden, um symbolisch Licht in die Dunkelheit zu tragen. Viele folgten dem Aufruf und warteten geduldig in Schlangen. Nach den Gebeten und Ansprachen blieben viele Menschen noch in der Kirche, um sich auszutauschen. Vor der Marienkirche formierte sich ein schweigender Trauerzug, der die Straße Unter den Linden entlang zum Brandenburger Tor zog. Dort lagen bereits zahlreiche Blumensträuße und Gedenkschilder. Regenbogenfahnen wehten, die Menschen standen mit ernsten Gesichtern – ein Kontrast zu der fröhlichen Stimmung, die noch am Samstag auf dem CSD geherrscht hatte.

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