Im Sommer wollen alle Urlaub machen – doch in vielen Unternehmen haben Eltern das erste Zugriffsrecht auf die begehrten freien Tage. Unsere Autorin Agatha Kremplewski stellt die Frage: Ist dieser Vorrang gerecht? Sie erinnert sich an ihre Anfänge im Berufsleben in den 20ern, als sie erlebte, dass Kollegen mit Kindern sich im Sommer wochenlang freinehmen durften, während Kinderlose die Reste bekamen. „Als wären Kinder und deren Sommerferien ein unüberwindbares Naturphänomen, nach dem sich alle richten müssen“, schreibt sie.
Das Gefühl der Ungerechtigkeit
Damals empfand sie dies als unfair – nicht aus Neid auf den Strandurlaub in Italien, sondern aus Prinzip. Eltern scheinen mehr Freiheiten zu haben: Sie können Urlaub flexibler einteilen, mehr am Stück nehmen und Brückentage sichern. Wer sich beschwert, hört oft den Satz: „Hach ja, die Kinder.“
Kinderlose als Flexibilitätsreserve
Kremplewski kritisiert, dass kinderlose Singles in Teams oft als flexible Reserve herhalten müssen. „Es stehen Überstunden an? Die Eltern können nicht. Wochenenddienst? Die Kinderlosen übernehmen. Sommerferien, Brückentag oder Weihnachten? Haben die Eltern bereits für sich gebucht.“ Diese einseitige Belastung sei ungerecht.
Plädoyer für mehr Rücksichtnahme
Die Autorin plädiert dafür, dass auch Menschen ohne Kinder die Möglichkeit haben sollten, ihren Urlaub flexibel zu gestalten. Eine gerechtere Verteilung der Urlaubstage und eine bewusstere Berücksichtigung der Bedürfnisse aller Mitarbeiter könnten das Betriebsklima verbessern. Letztlich gehe es nicht um einen Kampf zwischen Eltern und Kinderlosen, sondern um ein faires Miteinander.



