Joshua Nascimento (29), Performance Manager beim MLS-Klub FC Dallas, ist eines von sieben Kindern der brasilianischen Fußball-Legende Pelé (†82). Im Interview mit BILD verrät er die wahre Geschichte hinter dem Spitznamen seines Vaters, erinnert sich an prägende Momente seiner Erziehung und spricht über seinen Cousin Davi Remagen, der für die deutsche Basketball-Nationalmannschaft spielt.
Flughafen stillgelegt: Der Moment, der alles veränderte
„Als mein Vater landete, lag der Flughafen still“, erinnert sich Nascimento. Mit elf Jahren begleitete er Pelé erstmals auf eine Reise nach Kolumbien. „Die Leute haben uns alle zehn, fünfzehn Schritte angehalten. In diesem Moment hat es bei mir als Kind Klick gemacht. Ich dachte: Wow, er ist außerhalb von Brasilien ja wirklich eine riesige Nummer.“ Zuvor hatte Pelé seinen Sohn stets zurückgelassen, weil er zu beschäftigt sei. Doch Joshua bettelte so lange, bis er mitdurfte – und erlebte die globale Bedeutung seines Vaters hautnah.
Vom Probetraining bei Santos zum Performance Manager
Joshua Nascimento wurde 2010 im Alter von 13 Jahren in die USA gebracht, als seine Mutter mit der Familie nach Florida zog. Mit 16 hatte er den Traum, Profifußballer zu werden, und überredete seine Mutter, ihn zurück nach Brasilien zu lassen. Dort lebte er bei seinem geschiedenen Vater und trainierte in der Jugendakademie von Santos FC. „Der Name meines Vaters hat mir die Tür geöffnet“, gibt er zu. „Er hat mich aber gewarnt, dass dort ein ganz anderes Niveau herrschte. In der Akademie haben sie mir erst ein einmonatiges Probetraining eingeräumt, danach durfte ich bleiben. Der Name hat mir den Weg geebnet, aber ich habe dort meinen eigenen Wert bewiesen.“ Nach eineinhalb Jahren kehrte er ohne Profivertrag zurück. Heute arbeitet er als Performance Manager beim FC Dallas.
Die schönste Erinnerung: Vater-Sohn-Zeit am Strand
Seine schönste Erinnerung an Pelé ist eine Szene aus der Kindheit: „Ich war etwa sechs oder sieben Jahre alt. Ich hatte gerade mit dem Fußballspielen angefangen und nagelneue Schuhe und ein Santos-Trikot bekommen. An einem Morgen kam mein Vater im kompletten Santos-Dress mit Fußballschuhen heraus – das erste Mal, dass ich ihn in voller Montur sah. Wir haben dann einfach gespielt. Für mich ist das die schönste Erinnerung überhaupt – diese exklusive Vater-Sohn-Zeit. Und es war das erste Mal, dass ich wirklich ‚Pelé‘ vor mir sah.“
Wertvoller Rat und geheime Geschichten
Der wertvollste Rat seines Vaters: „Er hat mir immer gesagt, ich solle an mich selbst glauben und darauf vertrauen, dass ich die Fähigkeit habe, meine Ziele zu erreichen. Wenn ich eine Idee im Kopf hatte, sagte er: ‚Zieh es durch. Hab keine Angst.‘“ Pelé betonte stets, dass auf dem Platz niemand von Natur aus besser sei – es komme auf Entschlossenheit und harte Arbeit an. Eine wenig bekannte Geschichte: Pelé war ein schlechter Autofahrer. „Als ich 12 oder 13 war, würgte er das Auto an einer Ampel ab, und eine Frau fuhr uns hinten rein. Er nahm die Kappe ab, die er trug, damit ihn die Leute nicht erkannten. Die Frau drehte total durch, weil sie in Pelés Kofferraum geknallt war – ihr Auto interessierte sie nicht mehr.“
Die wahre Herkunft des Spitznamens „Pelé“
Die Familie kennt die wahre Geschichte: Als Pelé klein war, hieß der Torwart des Vereins, bei dem sein Vater spielte, Bilé. Pelé rief seinen Freunden zu: „Heute halte ich alles wie Bilé“, sprach den Namen aber falsch aus – „Pelé“. Das Wort gab es damals nicht. Der Versprecher blieb an ihm hängen, und die Kinder machten sich über ihn lustig. „Er wurde stinkwütend und wollte absolut nicht so genannt werden. Aber Kinder sind nun mal Kinder, sie wollten ihn damit aufziehen. Am Ende blieb ‚Pelé‘ für immer an ihm hängen.“
Kein Vergleich mit heutigen Stars
Auf die Frage nach dem größten Spieler aller Zeiten antwortet Joshua: „Wer ist besser – Pelé oder Maradona? Da erübrigt sich für mich jede Diskussion.“ Zur Debatte um Messi und Ronaldo sagt er: „Die Leute haben heute kein vollständiges Bild davon, wie schwer es damals war, zu spielen und hervorzustechen. Es gab keinen Videoschiedsrichter, keine Gelben oder Roten Karten, keine modernen Regenerationsmethoden. Mein Vater hat immer betont, dass man Spieler aus verschiedenen Äras nicht vergleichen kann.“ Über Franz Beckenbauer sagt er: „Mein Vater fand es großartig, mit ihm zu spielen. Wenn man ihn nach den besten Spielern gefragt hat, fiel der Name Beckenbauer immer als einer der ersten. Die Beziehung war hervorragend.“
Cousin in der deutschen Basketball-Nationalmannschaft
Joshua Nascimento spricht auch über seinen Cousin Davi Remagen, der für die deutsche Basketball-Nationalmannschaft spielt. „Er ist mein Cousin zweiten Grades. Ich erinnere mich noch an ihn, als er klein war – er hat Basketball geliebt. Für uns war das ungewohnt, weil wir eine reine Fußballfamilie sind. Aber alle haben immer gesagt, wie gut er ist. Er hat in den USA für Georgia Tech am College gespielt. Jetzt in der deutschen Jugendnationalmannschaft – das ist großartig.“
Keine Daumen für Argentinien
Auf die Frage, welcher Mannschaft er nach dem Ausscheiden Brasiliens die Daumen drückt, antwortet Joshua: „Die USA sind auch ausgeschieden. Mir ist jetzt nur noch eines wichtig – Argentinien darf nicht ins Finale kommen. Und wenn, dann dürfen sie es auf keinen Fall gewinnen.“



