Der traditionell große Nationalstolz der US-Bürgerinnen und -Bürger hat im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts deutlich abgenommen. Wie aus Umfragen der Nachrichtenagentur AP und des Meinungsforschungsinstituts Norc in den Jahren 2017 und 2026 hervorgeht, ist der Stolz der Amerikaner auf die Funktionsweise ihrer Demokratie in diesem Zeitraum von 42 Prozent auf 28 Prozent zurückgegangen. Ebenfalls um 14 Prozentpunkte zurückgegangen ist der Stolz auf die Geschichte des Landes, beim Stolz auf die Streitkräfte waren es 19 Prozentpunkte.
Gallup bestätigt Trend: Nur noch 53 Prozent sehr stolz
Eine neue Umfrage von Gallup untermauert diesen Trend. Demnach sind nur noch 53 Prozent der Erwachsenen in den USA äußerst oder sehr stolz, Amerikaner zu sein. Dieser Wert liegt deutlich unter den historischen Höchstständen, die in den Jahren nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erreicht wurden.
Polarisierung nach Parteizugehörigkeit
Zurückzuführen ist der Rückgang in der AP-Norc-Umfrage größtenteils auf Wählerinnen und Wähler der Demokraten, während unter Republikanern der Nationalstolz noch größer ist. Während 2017 noch 47 Prozent der Demokraten angaben, sehr stolz auf die USA zu sein, waren es 2026 nur noch 28 Prozent. Bei den Republikanern blieb der Wert mit 78 Prozent nahezu stabil.
Identität bleibt wichtig, besonders bei Älteren
Trotz der weniger positiven Sicht auf das eigene Land und dessen Geschichte ist die Identität als Amerikanerin und Amerikaner für die meisten noch äußerst oder sehr wichtig. Besonders hoch ist dieser Wert unter den Über-60-Jährigen – rund drei Viertel –, während es bei den Amerikanern unter 30 nur noch rund ein Drittel ist. Insgesamt gaben 68 Prozent der Befragten an, dass ihre amerikanische Identität für sie sehr oder äußerst wichtig sei.
Umfragen im politischen Kontext
Durchgeführt wurde die erste Umfrage im Februar 2017 kurz nach Beginn der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump, die aktuelle, zweite im April mitten im Krieg gegen den Iran. In dieser Woche feiern die USA den 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeitserklärung. Die Umfragen zeigen, dass der Nationalstolz in den USA zunehmend von politischen Ereignissen und der Parteizugehörigkeit beeinflusst wird.



