Verborgene Schätze: Was Hessens Museen im Depot lagern
Verbogene Schätze: Hessens Museumsdepots

In Hessens Museen sehen Besucher nur einen Bruchteil der Sammlungen. Der Großteil lagert in Depots – darunter ein leerer Rahmen von van Gogh und ein ausgestorbener Kuba-Ara. Die Lagerung erfordert enormen Aufwand, wie Beispiele aus Frankfurt, Kassel und Wiesbaden zeigen.

Gemäldegalerie Alte Meister: Ständiger Austausch

Justus Lange, Leiter der Gemäldegalerie Alte Meister in Kassel, beschreibt das Depot als „Herzkammer“, die frisches Blut in die Ausstellung pumpt. „Es ist immer auch ein Ort, an dem neue Ausstellungen entstehen, der Impulse gibt für immer neue Ideen“, sagt Lange. Von über 2.000 Gemälden werden rund 500 ausgestellt; 1.500 lagern im Depot. Alle Werke sind in einer Online-Datenbank erfasst, das Depot wird mehrmals monatlich kontrolliert. Stabiles Klima und Sauberkeit seien essenziell.

Städel Museum: Van Gogh ohne Bild

Im Depot des Frankfurter Städel Museums befinden sich rund 3.000 Gemälde und Skulpturen sowie über 100.000 Zeichnungen und Druckgrafiken. Ein besonderes Exponat ist der originale, leere Bilderrahmen von Vincent van Goghs Gemälde „Bildnis des Dr. Gachet“, wie eine Sprecherin mitteilt. Die Kunstwerke werden in klimatisierten, dunklen Depots gelagert. Die Sammlung ist fast vollständig digitalisiert, was den internationalen Austausch fördere. Von den Beständen werden etwa 1.000 Werke in der Dauerausstellung gezeigt, und jährlich werden viele Stücke weltweit verliehen. Im laufenden Jahr gingen rund 230 Werke an 66 Ausstellungen – darunter Zeichnungen von Raphael an das Metropolitan Museum in New York.

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Museum Wiesbaden: Schimpansen und Huhn aus dem 19. Jahrhundert

Das Landesmuseum Wiesbaden bewahrt in seiner Kunstsparte etwa 12.500 Werke im Depot, in der naturhistorischen Sammlung sogar 1,2 Millionen Objekte. „Das reicht von einzelnen Insekten bis zu großen Präparaten“, so eine Sprecherin. Für die Ausstellung „Brutpflege – Liebe ohne Worte“ wurden fast alle Exponate dem Depot entnommen, darunter eine Schimpansenfamilie von 1908 und ein Hammerhuhn von 1875. Die gute Erhaltung sei der Sorgfalt der Depotverwalter zu verdanken.

Keltenwelt und Römerkastell: Schonende Auswahl

In der Keltenwelt am Glauberg und im Römerkastell Saalburg wird nur ein Teil der Funde gezeigt. Ein Sprecher erklärt, dass fragile Stücke aus Schutzgründen nicht ausgestellt werden können. „Nicht jedes Objekt kann die an es gerichteten Fragen gleich gut beantworten.“ Eine Überfülle ähnlicher Objekte werde vermieden. Die nicht ausgestellten Funde werden fachgerecht in speziell klimatisierten Bereichen gelagert, regelmäßig überwacht und stehen der Wissenschaft zur Verfügung.

Senckenberg Naturmuseum: Kuba-Ara und Digitalisierung mit KI

Im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt werden rund 11.000 Exponate gezeigt, während in den wissenschaftlichen Sammlungen mehr als 40 Millionen Objekte lagern – darunter Tiere, Pflanzen, Gesteine und Mineralien. Ein Beispiel ist ein ausgestopfter Kuba-Ara, der um 1870 ausstarb. Gerald Mayr, Leiter der Ornithologie, zeigt auf ein Exemplar in einer Schublade eines alten Holzschranks. Laut Senckenberg sind etwa 15 Prozent der Sammlungen in öffentlich zugänglichen Datenbanken digitalisiert. Dabei kommt KI zum Einsatz, etwa zur automatisierten Erkennung alter Etiketten.

Hessisches Landesmuseum Darmstadt: 90 Prozent im Verborgenen

Das Hessische Landesmuseum in Darmstadt als Universalmuseum zeigt Kunst, Technik und Naturkunde. Eine Sprecherin betont: „Tatsächlich kann nur ein Teil der Objekte dauerhaft präsentiert werden.“ Etwa 90 Prozent der Sammlung lagern daher in Depots. Diese verfügen über kontrollierte Klimabedingungen, geeignete Lagersysteme, Schädlingsschutz, Brandschutz und eine sorgfältige digitale Inventarisierung – ein erheblicher Aufwand, den die Besucher nicht sehen.

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