Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Eltern geben Deutschland vernichtendes Zeugnis
Vereinbarkeit: Eltern geben Deutschland vernichtendes Zeugnis

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird von erwerbstätigen Eltern in Deutschland überwiegend kritisch bewertet. Das geht aus einer repräsentativen Civey-Umfrage im Auftrag des Sozialverbands Deutschland (SoVD) hervor, die dieser Redaktion exklusiv vorliegt. Lediglich 36 Prozent der Befragten bewerten die Vereinbarkeit als gut, während 42,8 Prozent sie für schlecht halten. Besonders kritisch äußern sich Frauen: Fast jede Zweite (47,9 Prozent) bewertet die Vereinbarkeit negativ, bei Männern sind es 37,7 Prozent.

Größtes Problem: Mangelnde Kinderbetreuung

Als größtes Hindernis sehen viele Eltern die Kinderbetreuung. Nur 31,1 Prozent halten die Verfügbarkeit von Kita-Plätzen und Betreuungsangeboten für Schulkinder nach Unterrichtsende für ausreichend. Eine Mehrheit von 55,1 Prozent widerspricht dieser Aussage. Besonders deutlich fällt die Kritik bei Eltern mit Grundschulkindern aus: Knapp zwei Drittel (65,6 Prozent) bewerten das Betreuungsangebot als unzureichend.

SoVD-Vorständin fordert politisches Umdenken

Die Vorstandsvorsitzende des SoVD, Michaela Engelmeier, sieht dringenden politischen Handlungsbedarf. „Durch die Unterversorgung sind besonders Frauen benachteiligt, weil sie mangels Betreuungsangeboten oft nur in Teilzeit oder Minijobs arbeiten können“, sagte sie unserer Redaktion. Notwendig seien Investitionen in den qualitativen und quantitativen Ausbau der Kinderbetreuung mit verlässlichen Öffnungszeiten, die sich an den Arbeitszeiten orientierten.

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Arbeitgeber: Gemischtes Bild bei Flexibilität

Etwas besser schneiden die Arbeitgeber ab: 40,2 Prozent der Befragten finden, dass sie ausreichend Möglichkeiten bieten, Arbeitszeiten an familiäre Bedürfnisse anzupassen. 37,1 Prozent sehen das jedoch nicht so. Frauen bewerten die Flexibilität ihrer Arbeitgeber erneut kritischer als Männer. Besonders schlecht fällt das Urteil von Alleinerziehenden aus: Nur 19,4 Prozent halten die Anpassungsmöglichkeiten für ausreichend, 45 Prozent widersprechen.

Engelmeier: Mehr Freiraum für Väter und gerechtere Verteilung der Sorgearbeit

Engelmeier forderte mehr familienfreundliche Arbeitsbedingungen. „Familienfreundlichkeit sollte ein Qualitätsmerkmal von Arbeitgebern werden“, erklärte sie. Flexible Arbeitszeitmodelle allein reichten jedoch nicht aus. Die Politik müsse unter anderem die Kinderbetreuung ausbauen und Väter nach der Geburt stärker einbinden. Konkret regte Engelmeier eine bezahlte Freistellung von Vätern oder zweiten Elternteilen für zehn Tage nach der Geburt eines Kindes an.

Darüber hinaus nannte sie weitere Maßnahmen: „Auch die partnerschaftliche Ausgestaltung des Elterngeldes, die Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie, die Abschaffung der Lohnsteuerklasse V und eine Reform des Ehegattensplittings würden das bestehende Ungleichgewicht auflösen“, sagte Engelmeier. „Hier sehen wir aber auch eine gesellschaftliche, gleichstellungspolitische Dimension: Denn Sorgearbeit muss endlich gerechter zwischen den Geschlechtern verteilt werden.“

Hintergrund der Umfrage

Grundlage der Auswertung ist eine Civey-Befragung unter 2000 erwerbstätigen Eltern mit Kindern unter 18 Jahren im Haushalt. Die Erhebungen fanden zwischen dem 18. Juni und dem 5. Juli statt.

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