Wenn das eigene Kind ein Verbrechen begeht: Die stille Qual der Eltern
Wenn das eigene Kind ein Verbrechen begeht: Eltern leiden still

Die Polizei registriert in Deutschland täglich 600 Gewaltdelikte. Während die Aufmerksamkeit meist den Angeklagten und Opfern gilt, bleiben die unschuldigen Angehörigen der Täter oft unbeachtet. Sachbuchautorin Claudia Terporten beleuchtet in ihrem neuen Buch das Leid dieser Familien.

Ein persönlicher Auslöser

Die Idee zu ihrem Buch entstand aus einer persönlichen Begegnung. Terporten saß mit einer engen Freundin beim Kaffee, als diese ihr nach Jahren der Stille ein Geheimnis offenbarte: Ihr Sohn war vorbestraft. Die Polizei hatte die Wohnung durchsucht, Laptops beschlagnahmt – ein Schock für die ganze Familie. „Sie hat geweint. Ich habe geweint“, erinnert sich Terporten. „Aber das Schlimmste war nicht das Delikt selbst, sondern dass sie mir erst nach so vielen Monaten davon erzählen konnte. Sogar mir gegenüber hatte sie geschwiegen, obwohl wir uns so vertraut waren.“

Die Last der Scham

Viele Eltern straffälliger Kinder leiden unter enormer Scham und Schuldgefühlen. Sie fragen sich, wo sie versagt haben könnten. Die Gesellschaft reagiert oft mit Vorurteilen und Ausgrenzung, was die Isolation der Familien verstärkt. Terporten betont: „Die Liebe zum Sohn endet nicht mit der Verhaftung.“ Eltern durchliefen einen schmerzhaften Prozess aus Schock, Trauer und dem Versuch, ihr Kind trotz allem zu unterstützen.

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Ein Tabuthema in Deutschland

Das Thema sei in Deutschland weitgehend tabuisiert, so die Autorin. Während Opfer von Straftaten umfassende Hilfe erhielten, würden die Angehörigen der Täter oft allein gelassen. Dabei seien auch sie Opfer – nicht der Tat, aber der Umstände. Terporten fordert mehr Sensibilität und Unterstützungsangebote für betroffene Familien.

Ihr Buch gibt Einblicke in die Seelenwelt dieser Eltern, zeigt ihre Kämpfe und ihren Mut. Es ist ein Appell, nicht vorschnell zu urteilen, sondern Verständnis für die komplexe Situation zu entwickeln. Denn, so Terporten: „Hinter jedem Täter steht eine Familie, die mit den Konsequenzen leben muss.“

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