Eine neue YouGov-Umfrage offenbart tiefe Gräben zwischen den Wählern verschiedener politischer Lager in Deutschland. Im Durchschnitt aller Befragten steht das Thema Einwanderung mit 32 Prozent an erster Stelle, gefolgt von Rente und Gesundheit (je 31 Prozent) sowie Wirtschaft (29 Prozent). Doch ein genauerer Blick auf die einzelnen Wählergruppen zeigt: Die Prioritäten unterscheiden sich fundamental.
Rechts und links: Gegensätzliche Themenwelten
Während 71 Prozent der AfD-Wähler Einwanderung als wichtigstes Thema nennen, tun dies nur sieben Prozent der Grünen-Wähler. Umgekehrt legen 59 Prozent der Grünen-Anhänger größten Wert auf Umwelt- und Klimaschutz, während dies nur ein Prozent der AfD-Unterstützer sagt. Die Anhänger von Union und SPD positionieren sich zwischen diesen Polen. „Politisch wird nicht nur die Position zu einem bestimmten Thema debattiert, sondern auch, welche Themen überhaupt wichtig sind“, analysiert Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt.
Rente und Gesundheit als gemeinsame Sorgen
Einig sind sich die Wähler über alle Lager hinweg nur bei den Themen Rente und Gesundheit. Diese werden von Anhängern aller Parteien als bedeutsam eingestuft. Besonders SPD-Wähler nennen die Rente an erster Stelle. YouGov-Meinungsforscher Frieder Schmid erklärt: „Insbesondere in den Altersgruppen der 50- bis 59-Jährigen und der 60- bis 69-Jährigen wird das Thema oft genannt. Auf diese Wählergruppen stützt sich die SPD, aber auch die Union.“
Bahnprobleme kaum relevant
Erstaunlich ist, dass die anhaltenden Probleme der Deutschen Bahn die Wähler kaum bewegen. Parteiübergreifend nennen nur drei Prozent Verkehr und Mobilität als wichtigstes Thema. Dagegen dominiert die Zuwanderung die Prioritätenliste, obwohl sie links der Mitte kaum eine Rolle spielt. Laut aktuellem Insa-Sonntagstrend für BILD ist das rot-rot-grüne Lager aus SPD, Grünen und Linken mit 35 Prozent Zustimmung aktuell relativ klein.
Patzelt betont, dass „die Folgeprobleme des Migrationsgeschehens näher am Alltag der Menschen sind als etwa der Klimawandel. Das sichert stärkeren Zulauf zu Parteien, die ständig sichtbare und deshalb priorisierte Probleme zu lösen versprechen.“



