WM-Kolumne: Warum wir Deutschen auf unserem hohen Ross sitzen
WM-Kolumne: Warum wir auf dem hohen Ross sitzen

Noch nie wurde eine Fußball-Weltmeisterschaft im Vorfeld so stark kritisiert wie die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Doch nach dem Turnier zeigt sich: Viele Sorgen waren unbegründet, und in mancher Hinsicht wurden wir positiv überrascht. Kolumnist Alfred Draxler stellt die Frage: Warum sitzen wir Deutschen eigentlich auf einem so hohen Ross?

Die Befürchtungen vor der WM

Die erste WM mit 48 Mannschaften wurde als Schreckgespenst an die Wand gemalt. „Aufgebläht! Verwässert! Wer da jetzt alles mitspielen darf!“, so der Tenor. ZDF-Experte Christoph Kramer schimpfte vor dem Turnier: „Ich finde es krass, dass wir in Europa nur 16 Teilnehmer haben. Jetzt ist Italien nicht dabei und Kap Verde ist dabei, oder was?“ Viele dachten ähnlich.

Positive Überraschungen

Doch Kap Verde wurde zum Hit dieser WM. Das Team blieb ungeschlagen, wurde Gruppenzweiter und zwang sowohl Argentinien als auch Spanien zu Unentschieden nach 90 Minuten. „Die Zeiten, dass eine WM eine Europameisterschaft mit südamerikanischer Beteiligung ist, sind vorbei“, schreibt Draxler. „Eine WM ist jetzt ein echtes, globales Großereignis. Und das ist gut so, ob uns das passt oder nicht. Der Fußball gehört nicht uns, sondern allen.“

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Halbzeitshow und Trinkpausen

Die gigantische Halbzeitshow beim Finale mit Weltstars sorgte in Deutschland für heftige Diskussionen. Im Netz wurde gefordert: „Weg damit! Hat mit Fußball nichts zu tun!“ Draxler entgegnet, dass Gastgeber das Recht haben, sich zu präsentieren. „Die Amis brauchen bei großen Finals eine Halbzeit-Show. Was spricht dagegen?“ Auch die Trinkpausen während der Spiele wurden als „Geldmacherei“ kritisiert – obwohl ARD und ZDF in diesen Pausen selbst teure Werbung verkauften. „Doppelmoral ist noch nett ausgedrückt“, so Draxler.

Keine Ausschreitungen

Ein weiterer Punkt: In sechs Wochen WM mit 104 Spielen gab es in den Stadien keinerlei Ausschreitungen. „Das sieht in Deutschland mit Pyro-Exzessen und gewaltbereiten Hooligans leider viel schlimmer aus“, stellt Draxler fest. Er kommt zu dem Schluss: „Wir haben keinen Grund, auf einem hohen Ross zu sitzen. So kläglich, wie wir uns sportlich präsentiert haben. Bei dieser WM haben wir eigentlich nur gestört! Erst recht mit unserem Gemecker!“

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