Zehntausende feiern beim CSD in Hamburg trotz Anschlags
Zehntausende beim CSD in Hamburg: Ausgelassene Stimmung

Zehntausende Menschen haben sich am Samstag in Hamburg zu einer Demonstration anlässlich des Christopher Street Day (CSD) versammelt. Der Bereich um den U-Bahnhof Lübecker Straße füllte sich mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich einreihten, um gemeinsam ein Zeichen für die Rechte queerer Menschen zu setzen. Rund 60 Lastwagen bildeten den Kern des Demonstrationszuges, der sich durch den Stadtteil St. Georg in Richtung Innenstadt bewegte. Unternehmen, Vereine, Parteien und die evangelische Kirche hatten die Fahrzeuge als fahrende Bühnen zur Verfügung gestellt.

Das Motto der diesjährigen Veranstaltung lautet: „Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!“ Damit griffen die Organisatoren die aktuelle Stimmungslage auf – in Zeiten, in denen queere Menschen zunehmend Anfeindungen und Gewalt ausgesetzt sind. Die Veranstalter vom Verein Hamburg Pride erwarten rund 250.000 Teilnehmer. Die Polizei konnte zunächst keine eigene Zahl nennen, bestätigte aber, dass die Stimmung friedlich und ausgelassen sei und es zu keinen Zwischenfällen gekommen ist.

Verschärftes Sicherheitskonzept nach Anschlag in Berlin

Die Demonstration fand genau eine Woche nach dem blutigen Anschlag auf den CSD in Berlin statt. Dort hatte der 21-jährige Abdul B. mit einem Auto mehrere Menschen angefahren und weitere vermutlich mit einer Machete angegriffen. Eine Frau aus Polen wurde getötet, 31 Menschen erlitten Verletzungen. Der Täter, der als Islamist eingestuft wurde, wurde am Sonntagabend bei einem Polizeieinsatz erschossen.

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Angesichts dieser Bedrohung hat die Hamburger Polizei ihre Sicherheitsvorkehrungen massiv verstärkt. Wie aus dpa-Informationen hervorgeht, waren doppelt so viele Beamte im Einsatz wie bei der Demonstration im vergangenen Jahr. Innensenator Andy Grote (SPD) betonte: „Hamburg freut sich auf einen bunten und fröhlichen CSD und setzt damit ein klares Zeichen für Vielfalt und Zusammenhalt in unserer Stadt.“

Solidarität in Zeiten der Angst

Die Organisatoren zeigten sich nach dem Anschlag umso entschlossener. Manuel Opitz, Sprecher von Hamburg Pride, sagte: „Wir als queere Community können uns in unserem Schmerz auf dem CSD gegenseitig Kraft geben.“ Man habe niemals erwogen, die Demonstration abzusagen. Stattdessen habe man die Chance genutzt, zu zeigen, dass die Gemeinschaft zusammenstehe.

Unter den Teilnehmern waren auch mehrere Politiker von SPD und Grünen, die mit ihrer Anwesenheit die Bedeutung des CSD als politische Demonstration unterstrichen. Die ausgelassene Stimmung auf dem Umzug zeigte, dass die Veranstaltung trotz der Ereignisse in Berlin ein Zeichen der Zuversicht setzen konnte. Zahlreiche Regenbogenflaggen und Solidaritätsbekundungen säumten den Weg des Zuges.

Vom Stonewall-Aufstand zum weltweiten CSD

Der Christopher Street Day wird weltweit gefeiert. Die Bewegung geht auf Ereignisse im Juni 1969 in New York zurück. Nach einer Razzia der Polizei in der Szenebar „Stonewall Inn“ kam es damals zum Aufstand von Schwulen und Lesben. Hauptschauplatz von Straßenschlachten war die Christopher Street im Künstler-Viertel Greenwich Village. Aus diesen Protesten entwickelte sich eine globale Bewegung, die für die Rechte queerer Menschen eintritt.

Heute erinnert der CSD an diese Wurzeln und steht zugleich für die fortbestehenden Kämpfe um Akzeptanz und Gleichstellung. In Hamburg hat die Demonstration eine lange Tradition und ist alljährlich einer der größten CSD-Umzüge in Deutschland. Die diesjährige Veranstaltung wird als eine der bedeutendsten gewertet, da sie unter dem Eindruck des Anschlags von Berlin ein klares Bekenntnis zur Freiheit und Vielfalt setzte.

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