Eine aktuelle Übersichtsarbeit der University of Southern Mississippi zeigt, dass Sportler mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ein deutlich erhöhtes Risiko für Gehirnerschütterungen haben könnten. Die Forscher werteten zahlreiche Studien der letzten Jahre aus und fanden Hinweise, dass das Risiko für eine sportbedingte Gehirnerschütterung bei Menschen mit ADHS im Vergleich zu Menschen ohne ADHS zwischen dem 1,6- und 2,5-Fachen liegen könnte. Mögliche Erklärungen sind Konzentrationsprobleme und eine stärkere Impulsivität, die zu riskanterem Verhalten im Sport führen. Die Autoren betonen jedoch, dass die Studie nur Zusammenhänge, aber keinen Ursache-Wirkungs-Beweis liefert.
ADHS erschwert Diagnose von Gehirnerschütterungen
Die Überschneidung der Symptome zwischen ADHS und Gehirnerschütterungen stellt eine besondere Herausforderung dar. Beide Zustände können Konzentrations- und Gedächtnisprobleme sowie emotionale Veränderungen auslösen. Dies erschwert es Ärzten, zu unterscheiden, welche Symptome bereits vor der Verletzung bestanden und welche durch die Kopfverletzung neu entstanden sind. Hinzu kommt, dass Menschen mit ADHS in kognitiven Tests oft niedrigere Ausgangswerte erreichen und die Testergebnisse aufgrund nachlassender Konzentration während der Tests häufig nicht verwertbar sind. Die Autoren empfehlen daher individuelle Basistests vor Saisonbeginn, um Veränderungen nach einer möglichen Kopfverletzung besser einordnen zu können.
Genesungszeit bei ADHS-Sportlern uneinheitlich
Die Frage, ob sich Sportler mit ADHS langsamer von einer Gehirnerschütterung erholen, ist laut der Übersichtsarbeit nicht eindeutig geklärt. Einige Studien berichten, dass Betroffene vier bis sechs Tage länger bis zur Rückkehr zum Sport benötigen. Andere Studien fanden keine verlängerte Erholungszeit, beobachteten jedoch anhaltende Einschränkungen einzelner geistiger Fähigkeiten. Die Forscher betonen, dass größere Langzeitstudien notwendig sind, um die Genesungsdauer und die langfristigen Auswirkungen genauer zu untersuchen. Die ausgewerteten Arbeiten unterschieden sich deutlich in Aufbau, Teilnehmerzahl und Diagnosemethoden, sodass die bisherigen Ergebnisse nicht als endgültiger Beleg gewertet werden können.



