Bis zu 30 Prozent der Menschen in einigen Regionen der USA tragen Alpha-Gal-Antikörper in ihrem Blut – doch nur ein Bruchteil entwickelt tatsächlich eine Fleischallergie. Das zeigt eine neue Untersuchung der University of North Carolina, die im „Morbidity and Mortality Weekly Report“ veröffentlicht wurde. Die US-Gesundheitsbehörde CDC schätzt, dass lediglich 0,14 Prozent der Bevölkerung, also rund 450.000 Menschen, unter dem Alpha-Gal-Syndrom leiden.
Hintergrund der Studie: Blutproben aus zehn Bundesstaaten
Um die Verbreitung der Antikörper besser zu verstehen, analysierten die Forscher insgesamt 3.000 Blutspenden auf den wichtigsten Alpha-Gal-Antikörper. Jeweils 300 Proben stammten aus zehn verschiedenen Bundesstaaten: Arkansas, Kentucky, Missouri, Tennessee, Virginia, Maine, Minnesota, South Carolina, New Mexico und Washington. Die Ergebnisse dienten als Grundlage für Hochrechnungen zur Prävalenz.
Die Antikörper richten sich gegen das Zuckermolekül Galactose-α-1,3-Galactose (Alpha-Gal), das in rotem Fleisch von Säugetieren wie Rind, Schwein, Lamm und Wild vorkommt, aber auch in Milchprodukten und Gelatine. Fisch und Geflügel enthalten kein Alpha-Gal. Normalerweise wird das Kohlenhydrat verdaut, doch bei einem Zeckenstich gelangt es direkt ins Blut – der Körper kann es dann als Eindringling identifizieren und eine allergische Reaktion auslösen.
Typische Symptome und verzögerte Reaktion
Zu den Symptomen zählen Nesselsucht, Niesen, Magenschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und im schlimmsten Fall ein allergischer Schock. Anders als bei den meisten Lebensmittelallergien treten die Beschwerden erst zwei bis sechs Stunden nach dem Verzehr auf, was die Diagnose erschwert. Das Alpha-Gal-Syndrom wurde erstmals 2007 zufällig entdeckt, als Patienten auf das Krebsmedikament Cetuximab reagierten, das Alpha-Gal enthält.
„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass häufig eine asymptomatische Sensibilisierung gegen Alpha-Gal vorkommt, das Alpha-Gal-Syndrom selbst jedoch nicht“, betonen die Forscher. Dies berge das Risiko einer Überdiagnose und unnötiger Ernährungseinschränkungen, wenn Ärzte sich nur auf den Antikörpernachweis verlassen.
Regionale Unterschiede und Übertragung durch Zecken
In Nordamerika ist die Lone-Star-Zecke der Hauptüberträger, in Europa der Gemeine Holzbock. Die Studie bestätigt, dass Antikörper am häufigsten in Gebieten mit Lone-Star-Zecken vorkommen: In Arkansas lag die geschätzte Prävalenz bei 31,2 Prozent, in Tennessee bei 21,5 Prozent, in South Carolina bei 5,5 Prozent. In Maine und Minnesota, wo die Zecke nur vereinzelt vorkommt, lagen die Werte bei 10,6 bzw. 5,4 Prozent. Außerhalb des Verbreitungsgebiets – in New Mexico und Washington – waren es nur 1,9 bzw. 1,1 Prozent.
Eine Diagnose sollte laut den Forschern nur gestellt werden, wenn Betroffene nach dem Verzehr von rotem Fleisch Symptome berichten. Klinische Leitlinien empfehlen, bei Verdacht zunächst auf Fleisch zu verzichten und die Symptomentwicklung zu beobachten.



