Mehr als zehn Prozent aller Krebserkrankungen sind vermutlich auf Übergewicht oder Fettleibigkeit zurückzuführen. Das ist fast doppelt so viel wie bisher angenommen, wie eine am Donnerstag veröffentlichte Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg zeigt.
Bisherige Schätzungen unterschätzen Risiko
Bislang wurde der Anteil der Krebserkrankungen, die auf erhöhtes Körpergewicht zurückgehen, auf etwa zwei bis acht Prozent geschätzt. Die DKFZ-Studie kommt nun auf einen Wert von über zehn Prozent. Grund für die Unterschätzung seien methodische Schwächen früherer Untersuchungen, so die Forscher.
BMI allein reicht nicht
Viele Studien stützten sich bislang ausschließlich auf den Body-Mass-Index (BMI). Der BMI unterscheidet jedoch nicht zwischen Fett- und Muskelmasse und gibt keine Auskunft über die Fettverteilung im Körper. Insbesondere Bauchfett gilt als besonders stoffwechselaktiv und fördert Entzündungen, die Krebs begünstigen können.
Das DKFZ-Team um Dr. Miriam Wanner verglich daher neben dem BMI auch den Taillenumfang und das Taille-Hüft-Verhältnis. Dazu analysierten sie Daten von 458.543 Frauen und Männern aus der britischen UK Biobank.
Methodische Verzerrungen korrigiert
Ein weiteres Problem: Viele Tumoren verursachen bereits Jahre vor der Diagnose ungewollten Gewichtsverlust. Dadurch erscheinen Betroffene zum Zeitpunkt der Diagnose schlanker, was den statistischen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs abschwächt. Die Forscher schlossen daher die ersten Jahre nach Studieneintritt der Teilnehmer aus.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die tatsächliche Krebslast durch Übergewicht deutlich höher ist als bisher angenommen“, sagt Studienleiterin Dr. Miriam Wanner. „Präventionsmaßnahmen gegen Übergewicht könnten daher einen noch größeren Beitrag zur Krebsvermeidung leisten als gedacht.“



