Die 37-jährige Start-up-Gründerin Katia Pott leidet an aggressivem Brustkrebs. Nachdem alle Standardtherapien – Chemotherapie, Operationen und Bestrahlung – keine ausreichende Wirkung zeigten, suchte sie selbst weltweit nach klinischen Studien. Fündig wurde sie in Madrid. Seitdem reist sie jede Woche in die spanische Hauptstadt, um an einer Studie mit neuartigen Antikörpern teilzunehmen. „Für meine Krebstherapie reise ich jede Woche nach Madrid“, sagt sie. Die Kosten für die Reisen trägt sie selbst, da die Studie nicht in Deutschland angeboten wird.
Warum Madrid? Die Suche nach neuen Optionen
Katia Pott hatte keine Wahl: Die in Deutschland verfügbaren Behandlungen waren ausgeschöpft. Sie begann, international nach experimentellen Therapien zu recherchieren. Über ein Netzwerk von Krebsforschern stieß sie auf eine Phase-II-Studie in Madrid, die einen neuartigen Antikörper testet. „Ich musste meinen Kindern eine Chance geben, mich länger zu haben“, erklärt sie. Die Studie ist nicht für alle Patienten zugänglich; die Aufnahme erfolgt nach strengen Kriterien. Nach Angaben des spanischen Krankenhauses, das die Studie durchführt, werden nur Patienten mit bestimmten genetischen Markern eingeschlossen. Katia erfüllte die Voraussetzungen.
Die Belastung der wöchentlichen Reisen
Jeden Montag fliegt sie von Düsseldorf nach Madrid, verbringt den Tag in der Klinik und kehrt am Dienstag zurück. Die Reisekosten belaufen sich auf rund 1.000 Euro pro Woche – inklusive Flug, Unterkunft und Verpflegung. „Das ist eine enorme finanzielle Belastung“, sagt sie. Hinzu kommen die Nebenwirkungen der Therapie: Müdigkeit, Übelkeit und ein geschwächtes Immunsystem. Trotzdem versucht sie, ihren Alltag mit ihren zwei kleinen Kindern so normal wie möglich zu gestalten. „Ich möchte, dass meine Kinder ein unbeschwertes Leben haben, auch wenn ich krank bin.“
Wie andere Patienten Zugang zu neuen Krebsmedikamenten erhalten
Katias Fall zeigt, dass Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen oft ins Ausland ausweichen müssen, um Zugang zu innovativen Therapien zu erhalten. In Deutschland werden neue Medikamente erst nach aufwendigen Zulassungsverfahren erstattet, was Jahre dauern kann. Klinische Studien bieten eine Möglichkeit, frühzeitig Zugang zu erhalten. Patienten können sich über Plattformen wie ClinicalTrials.gov oder über spezialisierte Krebszentren informieren. Allerdings sind die Teilnahmekriterien streng, und die Kosten für Reisen und Unterkunft werden in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen. Experten empfehlen, frühzeitig mit dem behandelnden Arzt über Studienoptionen zu sprechen und sich über Patientenorganisationen zu vernetzen.
Die Zukunft der Krebstherapie: Antikörper als Hoffnungsträger
Die Antikörper, die Katia erhält, richten sich gegen spezifische Proteine auf den Krebszellen und sollen das Immunsystem aktivieren. Diese Therapieform wird derzeit in mehreren Ländern erforscht. Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum sind Antikörper-Therapien bei bestimmten Brustkrebsarten vielversprechend. Katia hofft, dass die Behandlung ihr mehr Zeit verschafft. „Jeder Monat zählt“, sagt sie. „Ich kämpfe für meine Kinder.“



