Demenz wird oft als eine Krankheit des hohen Alters betrachtet. Doch eine aktuelle Studie der Universität Leipzig zeigt, dass Risikofaktoren für Demenz bereits bei jungen Erwachsenen erkennbar sind. Die Untersuchung mit Daten von fast 150.000 Menschen legt nahe, dass der Grundstein für kognitive Beeinträchtigungen früh gelegt werden kann.
Demenzrisiko bereits in jungen Jahren messbar
Die Forscher nutzten den sogenannten LIBRA-Index (Lifestyle for Brain Health), der veränderbare Risikofaktoren für Demenz erfasst. Dazu gehören unter anderem Rauchen, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein höherer LIBRA-Wert deutet auf ein höheres geschätztes Demenzrisiko hin.
Die Studie ergab, dass bereits bei den 20- bis 39-Jährigen höhere LIBRA-Werte mit einer geringeren geistigen Leistungsfähigkeit einhergingen. Die betroffenen Teilnehmer schnitten in Denksport-Tests schlechter ab. Dieser Zusammenhang zeigte sich auch in allen weiteren Altersgruppen. Die Forscher betonen jedoch, dass es sich um statistische Zusammenhänge und nicht um eine nachgewiesene Ursache-Wirkung-Beziehung handelt.
Risikofaktoren verändern sich mit dem Alter
Besonders auffällig war, dass die Risikofaktoren je nach Lebensphase variieren. Bei jüngeren Erwachsenen spielten vor allem Lebensstil und psychische Faktoren eine Rolle: Rauchen, Bewegungsmangel oder depressive Symptome. Bei älteren Menschen standen hingegen Herz-Kreislauf-Risiken wie Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterinwerte im Vordergrund. „Es wird deutlich, dass sich die Art der Risikofaktoren für Demenz über die Lebensspanne verändert“, erklärt Professorin Steffi G. Riedel-Heller von der Universität Leipzig.
Soziale Unterschiede als Einflussfaktor
Die Studie zeigte auch, dass Menschen mit geringerem Einkommen und niedrigerem Bildungsstand im Durchschnitt ungünstigere LIBRA-Werte aufwiesen. Männer hatten höhere Risikowerte als Frauen. Besonders deutlich war der Zusammenhang bei Frauen mit niedrigem Einkommen und niedriger Bildung: Ungünstige LIBRA-Werte gingen hier mit einer geringeren geistigen Leistungsfähigkeit einher.
Die Leipziger Forscher fordern daher, dass Präventionsmaßnahmen stärker auf die unterschiedlichen Lebenslagen der Menschen zugeschnitten werden sollten. Die Studie unterstreicht, dass Faktoren, die mit Demenz in Verbindung stehen, nicht erst im höheren Alter relevant werden, sondern bereits bei jungen Erwachsenen erfasst werden können. Eine frühzeitige Sensibilisierung und gezielte Interventionen könnten helfen, das Demenzrisiko im späteren Leben zu senken.



