Studie der Universität Seoul: E-Zigaretten erhöhen Lungenkrebsrisiko nach Rauchstopp
Viele Raucher betrachten den Umstieg auf E-Zigaretten als eine sanfte Methode, um der Nikotinsucht zu entkommen und die Gesundheit zu schonen. Doch eine neue, groß angelegte Untersuchung der Universität Seoul kommt zu einem anderen Ergebnis. Die Studie, die in der Fachzeitschrift „Nature Medicine“ veröffentlicht wurde, zeigt, dass ehemalige Zigarettenraucher, die auf E-Zigaretten umsteigen, ein höheres Risiko für Lungenkrebs und entsprechende Todesfälle haben als Menschen, die vollständig mit dem Rauchen aufhören.
Umfangreiche Datenanalyse
Das Forscherteam um Yeon Wook Kim wertete Daten von mehr als 4,5 Millionen Teilnehmern aus Südkorea aus. Von diesen gaben 767.273 Personen im Jahr 2018 an, kürzlich mit dem Rauchen aufgehört zu haben, ohne auf das Dampfen umzusteigen. 20.495 Personen waren auf E-Zigaretten umgestiegen. Weitere 1,41 Millionen Teilnehmer hatten bereits in den Jahren zuvor mit dem Rauchen aufgehört, ohne mit dem Dampfen zu beginnen. 5.050 Personen hatten die Abstinenz ausschließlich mit Hilfe von E-Zigaretten erreicht. Die Gesundheit der Teilnehmer wurde über einen Zeitraum von sechs Jahren beobachtet.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick
- Vollständiger Rauchstopp: Senkte das Lungenkrebsrisiko signifikant um 44 Prozent.
- Umstieg auf E-Zigaretten: Der Rückgang betrug nur 12 Prozent und war statistisch nicht signifikant.
- Risiko für Neuerkrankungen: Bei Umsteigern auf E-Zigaretten war das Risiko für eine Lungenkrebsneuerkrankung um 56 Prozent höher als bei vollständig abstinenten Personen.
- Todesfälle durch Lungenkrebs: Wer auf E-Zigaretten umstieg, starb im Beobachtungszeitraum mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit an Lungenkrebs.
Besonders hohes Risiko bei starker Rauchvergangenheit
Das Risiko war besonders ausgeprägt bei Ex-Rauchern, die mehr als 20 Packungsjahre hinter sich hatten. Ein Packungsjahr entspricht dem Konsum einer Schachtel Zigaretten pro Tag über ein Jahr. In dieser Gruppe war das Lungenkrebsrisiko fast doppelt so hoch, ebenso wie die Wahrscheinlichkeit, an Lungenkrebs zu sterben.
Einordnung und Grenzen der Studie
Experten halten die Ergebnisse für relevant, weisen jedoch auf Einschränkungen hin. Trotz der enormen Datenmenge gilt der Beobachtungszeitraum von sechs Jahren als kurz, da Lungenkrebs oft Jahrzehnte zur Entwicklung braucht. Zudem kann die Studie keinen kausalen Zusammenhang nachweisen; die Ergebnisse könnten durch andere Faktoren verzerrt sein. Dennoch unterstreicht die Untersuchung die Bedeutung eines vollständigen Rauchstopps ohne Rückgriff auf E-Zigaretten.



