Fingernägel wachsen unbemerkt vor sich hin – und speichern dabei offenbar wichtige Informationen über unseren Lebensstil. Eine Studie der Hochschule Fulda zeigt, dass in Fingernägeln messbare Spuren von Mineralstoffen, Spurenelementen und Schwermetallen enthalten sind, die Hinweise auf Ernährung, die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und den Lebensstil geben können.
Studie untersucht Fingernägel als biologisches Langzeitprotokoll
Fingernägel bestehen vor allem aus Keratin. Während sie wachsen, lagern sich darin Mineralstoffe, Spurenelemente und auch Schwermetalle ab. So entsteht eine Art biologisches Langzeitprotokoll. Für die „Fulda NutriNAIL“-Studie analysierten Wissenschaftler Fingernagelproben von 184 Einwohnern aus Fulda. Die Teilnehmer waren zwischen 18 und 83 Jahre alt. Zusätzlich beantworteten sie Fragen zu Ernährung, Nahrungsergänzungsmitteln, Krankheiten, Bewegung und Veränderungen an ihren Nägeln.
Selen zeigt deutlichste Unterschiede
Der leitende Autor und Professor Dr. Marc Birringer erklärt in einer Pressemitteilung: „Es gibt bislang nur wenig Forschung zum Mineralstoffgehalt als Biomarker für die Bewertung von Lebensstil und Ernährungsgewohnheiten.“ Bislang würden Nagelproben vor allem auf Schwermetalle untersucht. „Wir dagegen wollten wissen, inwieweit sich diese auch für das Gesundheitsmonitoring einsetzen lassen.“
Das auffälligste Ergebnis betraf das Spurenelement Selen. Teilnehmer, die Selenpräparate einnahmen, hatten im Schnitt 18,7 Prozent höhere Selenwerte in den Fingernägeln. Auch wer sich omnivor, also mit pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln, ernährte („Allesesser“), hatte höhere Selenwerte als die, die sich vegan ernährten. Denn Selen steckt vorwiegend in Fisch, Eiern und Fleisch. Wer sich pflanzlich ernährt, sollte auf Selenquellen wie Paranüsse, Kohlgemüse, Zwiebeln oder auch Spargel achten.
Weitere Zusammenhänge zwischen Nagelbild und Mineralstoffen
Außerdem fanden die Forscher Zusammenhänge zwischen dem Nagelbild und Mineralstoffen. Brüchige Nägel gingen mit niedrigeren Kaliumwerten einher, Längsrillen mit niedrigeren Natrium- und Kaliumwerten, weiße Flecken mit niedrigeren Chromwerten.
Methode noch kein Diagnosetest
Die Forscher sehen Potenzial für Gesundheits-Check-ups, weil Nagelproben einfach und schmerzfrei gewonnen werden können. Für einen Diagnosetest reicht die Datenlage aber bislang nicht aus.



