Krebspatient Klaus Petrewitz: Fünf Rezidive, Stammzelltransplantation als letzte Chance
Fünf Rezidive: Stammzelltransplantation als letzte Chance

Klaus Petrewitz hat fünf Rezidive eines diffus großzelligen B-Zell-Lymphoms überlebt. Nachdem alle Standardtherapien versagten, rettete ihm eine allogene Stammzelltransplantation das Leben. Der 60-Jährige berichtet im Interview über seinen Leidensweg.

Erste Symptome und Diagnose

Im Jahr 2018 bemerkte Petrewitz geschwollene Lymphknoten an Hals und Kinn. Eine Allgemeinmedizinerin diagnostizierte ihn zunächst als „kerngesund“. Auch ein HNO-Arzt verordnete lediglich ein Antibiotikum. Erst ein CT brachte die Gewissheit: „Dieses K-Wort, Krebs, ist ein Knaller“, erinnert sich Petrewitz.

Die Diagnose lautete diffus großzelliges B-Zell-Lymphom. Nach sechs Zyklen Chemotherapie erreichte er eine Remission. „Ich dachte, so schlimm war das ja alles nicht“, sagt er.

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Rückfall und aggressive Therapien

2022 kehrte der Krebs zurück. Petrewitz erhielt eine Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender autologer Stammzelltransplantation. Die Behandlung führte zu einer Sepsis mit kaum messbarem Blutdruck. „Da habe ich schon gedacht, jetzt ist es vorbei“, gesteht er. Die Ärzte gaben ihm noch drei Wochen, wenn der Tumor nicht gestoppt würde.

Eine weitere Chemotherapie in Tablettenform zeigte zunächst Erfolg, doch nach der Entlassung brach Petrewitz zu Hause weinend zusammen. „Ich kann mich nicht erinnern, in meinem Erwachsenenleben je so geheult zu haben.“ Auch dieses Medikament verlor bald seine Wirkung.

CAR-T-Zelltherapie als Hoffnungsträger

Als dritte Option erhielt Petrewitz eine CAR-T-Zelltherapie. Dazu wurden seine T-Zellen entnommen, gentechnisch verändert und in zwei kleinen Beuteln auf einer Europalette zurückgeliefert. „Ich hatte große, große Hoffnungen darauf gesetzt“, sagt er. Die Therapie wirkte zunächst, doch nach drei Vierteljahren war der Krebs erneut da. Insgesamt erlitt Petrewitz fünf Rezidive.

Ein akutes Nierenversagen brachte ihn an den Tiefpunkt. „Ich hatte den Eindruck, dass man mich aufgegeben hatte. Bei der Visite sprachen die Ärzte mit dem Mitpatienten voller Euphorie, bei mir herrschte ernste Miene.“

Letzte Chance: Allogene Stammzelltransplantation

Seine Hämatologin Dr. Lang riet ihm, sich Gedanken über einen Sterbeort zu machen. Doch Petrewitz weigerte sich: „Ich will nicht sterben. Ich fühle mich noch viel zu stark und zu jung.“ Dr. Lang schlug daraufhin eine Transplantation fremder Stammzellen vor. Sein Bruder kam als Spender nicht infrage. Die Wartezeit auf einen Fremdspender war kritisch: „Dr. Lang sagte, dass man die meisten Patienten in der Zeit des Wartens verliert.“

Petrewitz hielt durch, motiviert durch die Aussicht auf Heilung: „Die Ärzte sagten: ‚Weil es Ihre einzige Chance ist, geheilt zu werden.‘“ Die Transplantation fand in einem Hochsicherheitstrakt statt. Er litt unter Lungenentzündung, Nasenbluten und einem Tremor, der das Essen unmöglich machte. Nach der Entlassung konnte er nicht laufen und benötigte ein Sauerstoffgerät.

Rückkehr ins Leben

Durch intensives Training kämpfte sich Petrewitz zurück. „Alles, was ich selber machen kann, das mache ich, um meinen Zustand zu verbessern – Hanteln, Kurzhantel, Langhantel, Bank, Schrägbank, Bänder“, beschreibt er seine Rehabilitation. Heute geht es ihm „den Umständen entsprechend sehr gut“. Er leidet unter Spätfolgen wie Neuropathie, Niereninsuffizienz und Osteoporose, betont aber: „Nach den Nebenwirkungen fragt man nicht, wenn es um Leben und Tod geht.“

Die Stammzellen stammten von einer Frau aus Sheffield. Petrewitz ist voller Dankbarkeit: „Diese Frau ist vollkommen fremd, die kennt mich nicht, die hat viele Umstände auf sich genommen, um für einen fremden Menschen ihre Zellen zu geben.“

Ratschlag für andere Patienten

Petrewitz rät: „Man muss Zeit gewinnen als Patient, denn es kommt ständig was Neues. Die Forschung schreitet unglaublich schnell voran. Vor 15, 20 Jahren wäre ich schon lange tot gewesen.“

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