Hautarzt klärt auf: Für wen sich Lichtschutzfaktor 100 wirklich lohnt
Für wen sich Lichtschutzfaktor 100 wirklich lohnt

In den USA ist Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 100 längst normal, doch in deutschen Drogerien sucht man sie vergeblich. Was steckt dahinter? Dermatologe Dr. Stefan Rapprich räumt mit Mythen auf und erklärt, für wen der extra hohe Schutz tatsächlich sinnvoll ist.

Warum LSF 100 in Europa kaum erhältlich ist

Sonnencremes mit LSF 100 sind in den USA unter der Bezeichnung „SPF 100+“ weit verbreitet. In Deutschland und der EU dürfen Hersteller auf der Verpackung hingegen maximal „50+“ angeben. Dies liegt an einer EU-Empfehlung aus dem Jahr 2006. Die Behörden befürchten, dass zu hohe Zahlen den Eindruck erwecken, man sei nahezu vollständig geschützt – eine gefährliche Fehlannahme. Wer dennoch ein Produkt mit LSF 100 kaufen möchte, muss auf Online-Händler wie Amazon zurückgreifen oder es als Import aus Nicht-EU-Ländern beziehen. Dort kostet es oft um die 10,99 Euro.

Wer profitiert von LSF 100?

Für die allermeisten Menschen im Alltag reicht LSF 50+ völlig aus, so der Hautarzt. Einen höheren Schutz empfiehlt er jedoch in folgenden Fällen: bei sehr heller und sonnenempfindlicher Haut, bei sogenannter Sonnenallergie (Photodermatosen), bei erhöhter Lichtempfindlichkeit durch Medikamente oder Hauterkrankungen, bei erhöhtem Hautkrebsrisiko sowie bei extremer UV-Belastung, etwa im Hochgebirge, im Schnee oder in den Tropen. „Für diese Personengruppen kann LSF 100 einen echten Sicherheitsvorteil bieten“, sagt Dr. Rapprich.

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Der größte Irrtum: LSF 100 schützt nicht doppelt so gut

Viele Verbraucher glauben, Lichtschutzfaktor 100 biete die doppelte Schutzwirkung im Vergleich zu LSF 50. Tatsächlich sind die Unterschiede gering: LSF 30 filtert rund 97 Prozent der UVB-Strahlen, LSF 50 etwa 98 Prozent und LSF 100 rund 99 Prozent. „Der Sprung von 50 auf 100 bringt also nur etwa einen Prozentpunkt mehr“, erklärt der Dermatologe. Trotzdem ist dieser Unterschied nicht bedeutungslos. In der Praxis tragen die meisten Menschen deutlich weniger Sonnencreme auf als empfohlen. Ein höherer Lichtschutzfaktor kann dann einen kleinen Sicherheitspuffer bieten. Eine kontrollierte Studie aus dem Jahr 2018 zeigte, dass Teilnehmer unter realen Bedingungen mit LSF 100 seltener und weniger stark Sonnenbrand entwickelten als mit LSF 50.

Kein 100-prozentiger Schutz: Die beste Strategie

Trotz aller Vorteile gilt: Kein Lichtschutzfaktor blockt 100 Prozent der UV-Strahlung. „Der beste Schutz ist immer die Kombination aus Sonnencreme, Kleidung, Schatten und einem vernünftigen Umgang mit der Sonne“, betont Dr. Rapprich. Zu hohe Schutzfaktoren können ein trügerisches Gefühl von Sicherheit vermitteln, sodass man länger in der Sonne bleibt, seltener nachcremt und den Schutz vor UVA-Strahlen vernachlässigt. Daher ist ein bewusster Umgang mit der Sonne unerlässlich – unabhängig vom Lichtschutzfaktor.

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