Freibad Alltag: Hitze, Andrang und Handy-Eltern als Herausforderung
Freibad Alltag: Hitze, Andrang und Handy-Eltern

Im Freibad Wilhelmshöhe in Kassel herrscht an heißen Sommertagen Hochbetrieb: Bis zu 3.000 Besucher tummeln sich täglich im Wasser und auf der Liegewiese. Für Nadine Tuschinsky, Meisterin für Bäderbetriebe, bedeutet das eine Sechs-Tage-Woche. „Dann bin ich abends froh, wenn ich die Füße hochlegen kann“, sagt die 33-Jährige. Urlaub macht sie nur vor oder nach der Saison.

Frühschicht und Technik-Checks

Tuschinskys Arbeitstag beginnt um sechs Uhr morgens. Bevor das Bad um sieben Uhr öffnet, müssen zahlreiche Aufgaben erledigt werden: Zählerstände ablesen, Technik überprüfen, Duschen, Toiletten und Umkleiden kontrollieren sowie Rettungsstangen und -ringe verteilen. Auch Wasserrutschen und Massagedüsen werden durchgespült. „Chemie und Bädertechnik sind große Bestandteile der dreijährigen Ausbildung zur Fachkraft für Bäderbetriebe“, erklärt sie. Dazu gehören Wasseraufbereitung, Filtration, pH-Wert-Regulierung und der sichere Umgang mit Chlor.

Jeden Morgen wird die Wasserqualität überprüft. Tuschinsky entnimmt Proben und checkt Chlor- und pH-Werte. Ist der Wert des gebundenen Chlors zu hoch, wird die Qualität schlecht. Dann werden entweder die Filter gespült oder Frischwasser hinzugefügt. Dabei drängt die Zeit, denn die ersten Gäste stehen oft schon ab viertel vor sieben vor der Tür. Viele sind Stammgäste, die Frühschwimmer bilden ein eingeschweißtes Team. Bis 9.30 Uhr ist reger Andrang, der Vormittag ist ruhiger, bevor es nach Schulende wieder voll wird.

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Konzentration auf Kinder und Handy-Eltern

Besonders auf kleine Kinder müssen Tuschinsky und ihre Kollegen achtgeben. „Weil die Eltern manchmal nicht so ganz bei der Sache sind. Das Handy ist ein ganz großes Thema“, berichtet sie. Sie macht den Job seit 13 Jahren und hat eine deutliche Veränderung festgestellt: „Ich würde den Eltern manchmal gerne das Handy abnehmen und ihnen sagen: ‚Passt auf eure Kinder auf.‘“ Einmal musste sie innerhalb kurzer Zeit zweimal hintereinander wegen Kindern einer Familie ins Wasser springen. „Da habe ich gesagt: ‚Jetzt reicht es‘ und habe die Mutter gebeten zu gehen.“

Insgesamt gibt es aber kaum Probleme im Freibad Wilhelmshöhe. Manche Eltern verstehen nicht, warum sie mit ihrem Kind im Nichtschwimmer-Bereich bleiben müssen, obwohl es Schwimmflügel trägt. Nach einer Erklärung zur Sicherheit seien sie aber relativ entspannt. Auch nach Badeschluss ist es manchmal schwer, Badende aus dem Wasser zu bekommen. „Aber dass jemand aus dem Rahmen fällt, ist die Ausnahme“, so Tuschinsky.

Hitze und Erfrischung

Um bei Hitze einen kühlen Kopf zu bewahren, suchen Tuschinsky und ihre Kollegen Schatten unter Sonnenschirmen oder im Schwimmmeisterraum, der zwar wärmer, aber schattig ist. Während der jüngsten Hitzewelle stand ein Kollege fast zwei Stunden an der Rutsche und hatte ein nasses Handtuch aus dem Eisschrank über die Schultern gelegt. Die Verlockung, selbst ins Wasser zu springen, ist während des Dienstes gering: „Da mache ich mir keine Gedanken darüber, ob ich selbst gerne ins Becken springen würde“, sagt Tuschinsky. Außerhalb der Arbeit verbringt sie viel Zeit im Wasser.

Traumjob mit Wasser und Menschen

Tuschinsky schwimmt seit ihrem vierten Lebensjahr und machte damals ihr Seepferdchen. Ihr Job ist ihr Traumjob: „Ich habe schon immer gesagt, ich möchte was mit Wasser und mit Menschen machen. Der Kontakt mit den Kunden, mit Kindern und Erwachsenen zu arbeiten, am Wasser zu stehen, für Sicherheit zu sorgen – das ist das, was ich immer machen wollte.“ Langeweile kennt sie nicht: „Es gibt immer was zu tun. Selbst bei Gewitter stehen die Leute vor dem Drehkreuz und sagen: ‚Ich hab es nicht donnern hören.‘“

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