Drohnenangriffe in Cherson: Alltag im Krieg – Busfahrer, Theater, Bunker
Drohnenangriffe in Cherson: Alltag im Krieg

Cherson gehört zu den gefährlichsten Städten der Ukraine. Seit der Befreiung im Herbst 2022 wird die Stadt fast täglich von der russisch besetzten anderen Seite des Dnipro aus angegriffen. Die größte Gefahr geht inzwischen von Drohnen aus, die Busse, Rettungskräfte und Zivilisten auf ihren alltäglichen Wegen ins Visier nehmen. FUNKE-Kriegsreporter Jan Jessen war in Cherson unterwegs und hat Menschen getroffen, die unter dieser ständigen Bedrohung weiterleben und arbeiten.

Busfahrer Maksym: Mit Splitterschutzweste und Helm im Einsatz

Maksym fährt seit 17 Jahren Bus. Heute trägt er Splitterschutzweste und Helm und muss wissen, wie er seine Fahrgäste bei einem Drohnenangriff in den nächsten Schutzraum bringt. „Ich habe gelernt, die Drohnen zu hören, bevor sie zu sehen sind“, sagt er im Podcast. Die Busse der Stadt sind oft das einzige Transportmittel für viele Bewohner, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind.

Oleksandra Knyha: Kulturarbeit trotz Beschuss

Oleksandra Knyha arbeitet am Theater und unterstützt mit ihrer Familie Kinder in der Stadt. Sie organisiert Kulturveranstaltungen und Fahrten in sichere Regionen, damit Kinder für kurze Zeit einfach Kinder sein können. „Wir wollen den Kindern ein Stück Normalität zurückgeben“, erklärt sie. Trotz der Gefahr durch Drohnen führt sie ihre Arbeit fort, denn Kultur sei ein wichtiger Anker in der Krise.

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Liudmyla Rubanyak: Nächte im Kellerbunker

Liudmyla Rubanyak verbringt seit fast drei Jahren jede Nacht mit ihren Nachbarinnen und Nachbarn in einem Keller. Über der Erde kreisen Drohnen. Unter der Erde ist der Schutzraum für sie zu dem Ort geworden, an dem sie noch Ruhe findet. „Der Keller ist feucht und eng, aber er gibt uns Sicherheit“, sagt sie. Die Gemeinschaft im Bunker helfe, die Angst zu überwinden.

Wie die Stadt trotz allem funktioniert

Die Reportage zeigt, wie Busverkehr, Kulturarbeit und nachbarschaftliche Hilfe eine Stadt am Leben halten – und wie gewöhnliche Aufgaben im Krieg lebensgefährlich werden. Gouverneur Oleksandr Prokudin betont: „Cherson funktioniert, weil Menschen alltägliche Aufgaben übernehmen, die im Krieg lebensgefährlich geworden sind.“ Am nächsten Morgen fahren die Busse wieder, die Theater proben, und die Bunkerbewohner kehren in ihre Wohnungen zurück – bis zur nächsten Nacht.

Podcast-Folge mit Jan Jessen

In der Podcast-Folge „Cherson unter Drohnenangriffen – wie eine Stadt im Krieg weiterlebt“ des FUNKE-Podcasts „Im Krisenmodus“ berichten Jan Jessen, Maksym, Oleksandra Knyha und Liudmyla Rubanyak von ihrem Alltag. Die Folge ist 31 Minuten lang und in Kapitel unterteilt. Sie ist auf Spotify, Apple Podcasts, Deezer und YouTube verfügbar. Neue Folgen erscheinen alle zwei Wochen mittwochs.

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